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    Vom Bundespräsidenten zum Unwort 2012?

    Während im Schloss Bellevue die Luft für Bundespräsident Wulff immer dünner wird, hat sich seine Online Reputation  längst verselbsständigt. Die Affäre bietet nicht nur besten Stoff für Satiriker. Im Sprachgebrauch hat sich mittlerweile das “Wulffen” etabliert. Besonders über Twitter verbreitete sich die Wortneuschöpfung rasch. Doch wer’s mit der Verunglimpfung übertreibt, kann dafür auch im Gefängnis landen.

    Neologismus “Wulffen”

    Das Krisenmanagement des Bundespräsidenten hat in der Kredit-Affäre auf jeder Linie versagt. Seine Salami-Taktik wirkte zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig. Trauriger (bisheriger) Höhepunkt: das Fernsehinterview in der ARD und ZDF in der ersten Januarwoche. Kurz danach taucht auch “Wulffen” erstmals auf. Holger Klatte vom Verein Deutscher Sprache erklärte den Neologismus bei Spiegel Online so:

    “Mittlerweile haben sich zwei Bedeutungen herauskristallisiert.” [...] So stehe das Verb “wulffen” zum einen für das Vollreden eines Anrufbeantworters. “Die zweite Variante bedeutet, dass man nicht direkt die Wahrheit sagt, aber auch nicht direkt als Lügner dastehen will. [...] Das heißt, dass man nicht direkt angegriffen werden kann. Aber so richtig vertrauenswürdig ist man trotzdem nicht. Wir werden sehen, ob sich eine Variante durchsetzt.”

    Neue Interpretationen erwünscht?

    In der gestrigen Günther Jauch-Sendung war auch SPD-Mann Karl Lauterbach zu Gast. In der Diskussion zum Thema “Deutschland XXL – Brauchen wir Steuern auf Dickmacher?” war man beim Thema Nahrungsmittelzusätze angekommen, als Lauterbach aus seiner Sakko-Tasche einen Balisto-Riegel zog. Den habe er vor der Show vom Catering “gewulfft, also mitgenommen ohne dafür zu bezahlen”, verkündete er mit (Achtung Wortwitz) diebischer Miene. Ein schönes Beispiel wie sich die Online auf die Offline Reputation niederschlagen kann.

    Knast für Wulffen?

    Aber Vorsicht, zwar sind Erklärungen für’s “Wulffen” ok (eigene Kreationen gerne in den Kommentaren teilen). Aber wer’s zu weit treibt, dem könnte auch Besuch von Staatsanwalt und Polizei ins Haus stehen. “Wulffen” fällt unter den Schutz der Meinungsfreiheit. Allerdings gibt es in Deutschland den Straftatbestand der “Verunglimpfung des Bundespräsidenten”. Mit mindestens drei Monaten Gefängnis wird bestraft, wer den Bundespräsidenten beleidigt, ihm übel nachredet oder ihn gar verunglimpft: auch auf Facebook und Twitter. Udo Vetter vom Lawblog erklärt das so:

    “Diese Vorschrift wurde in den Babyjahren der Bundesrepublik eingeführt. Damals war man der Meinung, dass der Bundespräsident jeden Menschen, der in Deutschland lebt, repräsentiert. Nach dem Motto: Wer den Bundespräsidenten beleidgt, der beleidigt jeden.”

    Wortspiele mit dem Namen des Bundespräsidenten, die sich an der aktuellen Affäre orientieren, sind noch Teil der politischen Diskussion. Plumpe Beleidigungen aber können zu Anzeigen führen: “wenn man das unabhängig von einer sachlichen Debatte postet und damit die Ehre des Bundespräsidenten herabsetzt”, so Vetter. Es reicht übrigens nicht die eigenen Privatsphären-Einstellungen zu checken. Jeder Wulff-Sympathisant kann hier petzen. Also: Entweder nicht mit der Bundespräsidenten-Schelte übertreiben oder sachlich an der Diskussion teilnehmen.

    „Social Web Breakfast“ mit Vorreiter Microsoft

    Microsoft legt viel Wert auf die tägliche Pflege der Fanpages

    Etwa 50 Social Media Interessierte hatten sich am 30.11.2011 zum in der Lounge des Münchner Mathäser Kinos beim „Social Web Breakfast“ versammelt. Unter dem Motto „Vom Mitmachen zur Strategie – Social Media bei Microsoft“ referierte Annabelle Atchison, Social Media Manager von Microsoft Deutschland GmbH über das Brand Reputation Management des Unternehmens. Social Media Management wird bei Microsoft zwar als „Digital Marketing 2.0“ bezeichnet, fällt aber noch unter PR. Obwohl das Unternehmen Agentur-Unterstützung erhält, werden Social Media Aktivitäten firmenintern bearbeitet.

    Eine neue Organisationsstruktur muss her!

    Als Frau Atchison 2009 zum Unternehmen stieß, wiesen die online-affinen Mitarbeiter schon ein hohes Social Media Engagement auf. Es existierten schon Auftritte auf mehreren Kanäle. Diese liefen aber ohne Abstimmung nebeneinander her. Social Media Aktivitäten waren nur nach der simplen Richtlinie „be smart“ geregelt. Natürlich seien die Microsoft-Mitarbeiter „smart“, so Frau Atchinson. Trotzdem musste eine professionelle Organisationsstruktur her. Mit der Schaffung eines Social Media Councils, einer Strategic Group sowie mehreren Virtual Teams und dem neuen Posten eines Webmonitoring Managers setzte man die Pläne in die Tat um.  Es gibt nun konkrete Verantwortliche und Stellen, die passgenau auf Social Media ausgelegt sind. Die überarbeiteten Social Media Guidelines sind für alle Mitarbeiter zugänglich im firmeninternen Wiki hinterlegt. Neben Regelungen zum Krisenmanagement finden sich hier auch sogenannte Playbooks, die Bilder und Wording-Vorlagen für einzelne Themen liefern. weiterlesen »

    Livestream vom media coffee Köln: Heute 18:30Uhr

    Ist Journalismus im Netz finanzierbar? Eine Frage, die man derzeit häufiger in Fachkreisen hört. Bestimmen Facebook, Twitter und Apple mittlerweile die Nachrichtenagenda – und nicht mehr die “traditionellen” Medien? Welcher Zukunft blicken die großen Medienhäuser entgegen? Diese und weitere Fragen rund um Journalismus und Medien im Internet diskutieren folgende Experte heute im media coffee in Köln:

    • Bernd Ziesemer, HOFFMANN UND CAMPE Corporate Publishing / Geschäftsführer
    • Christian Lindner, Rhein-Zeitung / Chefredakteur
    • Matthias Büchs, RTL interactive GmbH / Mitglied der Geschäftsleitung
    • Ulrike Langer, Freie Medien- und Marketingjournalistin
    • Wolfgang Schmitz, Hörfunkdirektor WDR / Vorsitzender ARD-Hörfunkkommission
    • Moderation: Olaf Kolbrück, Horizont / Reporter

    Auch wer nicht in Köln ist, kann dem Event beiwohnen: presseportal.de bietet ab 18:30 Uhr einen Livestream an. Unter dem offiziellen Hashtag “#mediacoffee” wird das Event parallel auf Twitter diskutiert.

    Mehr zum Event selbst erfahren Sie auf mediacoffee.de. Weitere Social Media Events gibt’s in unserer gleichnamigen Rubrik.

    Lady Gaga: Online Reputation Management par excellence

    Stefani Germanotta, alias Lady Gaga, ist seit kurzem laut Forbes die weltweit einflussreichste Prominente. Die meisten Medienschaffenden sind der Meinung, nur an ihrer musikalischen Performance liege das nicht. Lady Gaga gilt als Social Media Queen. Ihr Management beweist, dass gutes Online Reputation Management Gold wert sein kann.

    Keiner hat so viele Social Media Fans

    Lady Gaga

    Lady Gaga

    Heute drückt sich der Kampf um Popularität zwischen Popstars nicht mehr nur in verkauften Alben, Tourneeeinahmen oder Download-Zahlen aus. Auch die Social Media Präsenz auf Facebook und Twitter werden als Erfolgsindikatoren miteinbezogen. Und Social Media ist das Terrain von Lady Gaga. Ihr ganzes Leben ist eine Social Media Kampagne. Jeder Auftritt, jede Äußerung und jedes Foto wird von der gaga’schen Fangemeinschaft wie eine Reliquie aufgenommen. Selbst Charity-Aktionen werden gnadenlos ausgeschlachtet, ganz nach dem Motto “tu Gutes, aber sprich auch darüber!” In ihren zwei Kern-Social Media Kanälen Twitter und Facebook sprechen die Fanzahlen für sich: Mit 10,3 Millionen Followern ist sie auf Twitter die klare Nummer Eins vor Justin Bieber (9,67 Mio.) und Barak Obama (8,02 Mio.). Auf ihrer Facebook-Fanseite, ein Paradebeispiel einer Social Media Kampagne, haben über 35. Mio Menschen auf den Like-Button geklickt: Auch hier der absolute Fan-Rekord. Welche Social Media Strategie steht hinter dem Erfolg von Lady Gaga? weiterlesen »

    Social Media als Krankheit: Twitter-Manie und Facebook-Sucht

    Von Liken bis Followen – Social Media ist im Alltag angekommen. Facebook und Co. revolutionieren nicht nur die Sprache, sondern auch das alltägliche Leben. Mal eben Facebook checken oder die letzten News twittern, das nimmt einen immer größeren Teil des Tages ein. Problematisch dabei ist, dass Social Media deutliches Suchtpotential hat.

    Social Media statt Real Life

    In den USA checkt fast die Hälfte aller 18 bis 34-jährigen Facebook bereits direkt nach dem Aufstehen. Fast ein Drittel der Befragten besuchen mithilfe eines Smartphone das soziale Netzwerk sogar, bevor sie überhaupt das Bett verlassen. Immer mehr Menschen ziehen es vor, mit ihren Freunden zu chatten, anstatt sich zu treffen. Was absurd klingt, ist bereits Teil der Realität. Heute kommuniziert mehr als die Hälfte der Menschen (57%) öfter Online miteinander, als im Real Life.

    Symptome für Social Media Sucht

    Nicht nur im Mutterland der Social Media, den USA, wird das Suchtpotential der sozialen Netzwerke untersucht. Auch in Deutschland wird der steigende Konsum von Facebook und Twitter beobachtet. Die Social Media Experten von karrierebibel.de haben sich des Themas angenommen und augenzwinkernd eine Liste mit Symptomen für Social Media Sucht verfasst. Jeder, der auch mündlich im 140 Zeichen Stil kommuniziert ist danach der Twitter Sucht verfallen. Schließlich übernimmt er die Regeln des Micro-Blogging in die Realität. Gleiches gilt für alle, die sonntags keinen „Tatort“ mehr sehen können, ohne die Handlung parallel weiter zu twittern. Facebook-Addicts wiederum outen sich durch inflationären Gebrauch der Formulierung „I like“, um Wertschätzung auszudrücken. Gerne wird diese Äußerung noch mit einem hochgereckten „Facebook-Daumen“ kombiniert. Wer nirgendwo mehr hingehen kann, ohne bei Location Based Services wie Foursquare einzuchecken und in der eigenen Stadt weniger Sehenswürdigkeiten als kostenlose WLAN-Hotspots kennt, der ist vollends der Social Media Sucht verfallen. weiterlesen »

    Social Media Revolution in Spanien

    Spanien steht kurz vor einer sozialen Revolution und kaum jemand nimmt Notiz davon. Ist ja auch viel los in der Welt derzeit: Das Frühjahr 2011 stand politisch ganz im Zeichen der arabischen Revolutionen von Marokko bis zum Jemen. Dann kam Fukushima und momentan wird mit Dominique Strauss-Kahn eine neue mediale Sau durch die  Pressedörfer getrieben. Da kann es schon mal vorkommen, dass man eine Revolution verpasst. Seit vergangenem Sonntag, den 15. Mai protestieren landesweit zehntausende Aktivisten gegen die politischen Zustände im Land. Als Informationsquellen und Organisationstools werden fast ausschließlich die Social Media Kanäle Facebook und Twitter herangezogen. Wer hat die Informationshoheit? Social Media oder die herkömmlichen Medien?

    Stell dir vor es ist Revolution und keiner berichtet darüber

    Das Logo von democracia-real-ya

    Das Logo von democracia-real-ya

    Selbst als aufmerksame Beobachter der Medienlandschaften hätten wir beinahe die größten Proteste in der jüngeren Geschichte des Landes verpasst. Die Spanische Revolution ist seit vergangenem Sonntag ins Rollen geraten. Das Medienecho geht immer noch gegen null. In Deutschland berichtete die linksorientierte taz als einzige überregionale Tageszeitung über die Unruhen in Spanien. Das Blog Spreeblick widmete sich bereits am Dienstag dem Thema. Nicht einmal innerhalb der spanischen Medienlandschaft interessierte man sich besonders für die Bewegung Democracia real YA (“echte Demokratie jetzt”). Dieser heterogene Zusammenschluss aus Studenten, Intelektuellen, Arbeitern, Anwälten, allen möglichen Bevölkerungsgruppen, umfasst das gesamte politische Spektrum. Einzig die Unzufriedenheit mit der politischen Konstitution des Landes eint sie. Spanien gilt als einer der größten Verlierer der globalen Finanzkrise. Dabei waren die Iberer schon zuvor durch das Platzen der großen Immobilienblase krisengeschüttelt. Die Abeitslosigkeit ist hoch (ca. 20 Prozent), bei den unter 25-Jährigen liegt sie sogar bei etwa 40 Prozent. Die Wut der Demonstranten richtet sich konkret gegen die beiden vorherrschenden Volksparteien, die sozialistische PSOE und die konservative Volkspartei PP. Beide Parteien haben zusammengenommen über 95 Prozent der Mandate im Parlament inne. Viele Spanier wollen die Zwei-Parteien-Herrschaft nicht mehr hinnehmen. weiterlesen »

    Eurovision Song Contest 2011: 12 Social Media Points go to…?

    Der Eurovision Song Contest 2011 am vergangenen Samstag war eines der absoluten TV-Highlights des bisherigen Jahres. Der europäische Singwettbewerb bescherte der ARD mit 14 Millionen Zuschauern weit höhere Einschaltquoten als beispielsweise die Hochzeit von Kate und William. Aber der ESC ist nicht mehr nur ein großes TV-Event: Das Internet hält Einzug in die Wohnzimmer. Social Media Plattformen wie Facebook oder Twitter werden zu den wichtigsten Nebenschauplätzen der Veranstaltung. Netz-Reputation hat sich den inoffiziellen “Eurovision Social Media Contest” genauer angeschaut.

    Fernsehen und Social Media ergänzen sich

    “TV is not enough” – dürfte ein Fazit des ESC 2011 sein. Laut einer Pressemitteilung von Kabel Deutschland verfolgten über 40 Prozent, der für die Erhebung Befragten, den ESC neben dem TV parallel auch im Internet. Eine erstaunlich hohe Quote. Sie zeigt einerseits, dass sich TV und Internet zunehmend vernetzen, andererseits aber auch, dass die Akzeptanz von Social Media in Deutschland immer größer wird. Diese Erkenntnis ist wohl auch bei vielen Unternehmen angekommen. Rund um den ESC lancierten zahlreiche Firmen Social Media Kampagnen. Der Haarkosmetik-Hersteller Schwarzkopf tritt 2011 als “offizieller Beauty-Partner” des Eurovision Song Contests auf. Dazu initierte die Henkel-Tochter im Vorfeld einen Frisuren-Contest mit Namen The Look of Music, bei dem das ausgefallenste Haar-Styling unter den Teilnehmern gesucht wird. Schwarzkopf fuhr seine Social Media Kampage nicht nur auf seiner Homepage, sondern hauptsächlich über Facebook. Auch Lufthansa nutzte das Großevent und launchte kurzerhand eine Foursquare-Badge. Wer zwischen dem 12. und 15. Mai über den Location Based Service Foursquare seine persönliche ESC-Party-Location angab, konnte verschiedene Party-Accessoires gewinnen. Groß angekündigt war das ganze auf Facebook und Twitter. Auch innerhalb der Blogosphäre war der Eurovision Song Contest ein vieldiskutiertes Thema. Knapp 10.000 Blogartikel verzeichnete der Social Media Buzz Report im Vorfeld des Wettbewerbs. Die beiden bekannten Blogger Stefan Niggemeier und Lukas Heinser haben dem Event sogar einen eigenen Video-Blog gewidmet (siehe oben).

    Social Media Kampagne Lufthansas zum Eurovision Song Contest 2011

    Social Media Kampagne Lufthansas zum Eurovision Song Contest 2011

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    Der Social Media Trendmonitor 2011 zeigt ungenutztes Potential im Web 2.0

    An Facebook und Twitter kommt heute keiner mehr vorbei, darin ist sich die Kommunikationsbranche der Republik einig. Die Erkenntnis ist zwar da, doch es hapert an der Umsetzung. Dies zeigt der Social Media Trend Monitor der dpa-Tochter news aktuell. Gut 5.000 Fach- und Führungskräfte aus PR Agenturen, Pressestellen und Redaktionen wurden für den aktuellen „Social Media Trend Monitor 2011“ befragt. Das Fazit erstaunt: Nicht einmal ein Drittel der deutschen Unternehmen ist gut aufgestellt in Social Media. Daran hat sich seit dem Trendmonitor des Vorjahres nichts geändert.

    Social Media – müsste man mal machen

    Besonders in den Kommunikationsabteilungen von Firmen herrscht großer Nachholbedarf. Nur jede vierte Pressestelle fühlt sich in Sachen Social Media gut gerüstet. Für einen Profi hält sich sogar nur jeder zehnte Mitarbeiter in Presseabteilungen. Mit Social Media stehen den Unternehmen attraktive Kommunikationskanäle zur Seite – allein, sie nutzen sie nicht.
    Dabei liegen die Vorteile sozialer Netzwerke auf der Hand. Mit Auftritten auf Facebook, Twitter und Co. geben Firmen ihrer Marke ein Gesicht. Mit Social Media Marketing können Firmen zudem neue und jüngere Zielgruppen ansprechen. Für die Zukunft stehen den Marketingabteilungen mit viralen Videos oder Facebook Kampagnen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung. weiterlesen »

    10. Twittwoch in München – Ein Resumée

    Nach einer recht langen Durststrecke fand diese Woche nun endlich wieder ein Twittwoch in München statt. Vereinfacht: viele Leute mit Smartphones trafen sich am Mittwochabend, um die neuesten Trends im Social Web zu erfahren und zu diskutieren. Florian Bergmann wollte im ersten Vortrag des Abends schwierige Kommunikation zwischen Marketing-Experten und Programmierern vereinfachen. Danach ging es um die Anwendung von Social Media Strategien. Daniel Rehn stellte das von der Münchner Agentur talkabout erstellte „Modell 7c“ vor.

    Twittwoch zeigt sich nerdy

    Beziehungsweise eigentlich nur Florian Bergmann:  Der hatte mit seinem Vortrag geplant, die Marketing- und PR-Berater für ihr nächstes Meeting mit vielen schlauen Begriffserklärungen aus dem digitalen Sprachjargon zu versorgen. Nach der ersten noch verständlichen Erklärung des Begriffs „Agile Entwicklung“, eine Softwareentwicklungsform, welche  vor allem bei langen und daher unvorhersehbaren Prozessen eingesetzt wird, legte Florian Bergmann richtig los: AJAX, API, SOAP, FTP, MVC, MYSQL… Alles ging so schnell, dass die eben noch gezückten Kugelschreiber der Zuhörer frustriert wieder zur Seite gelegt wurden. Florian Bergman tat in seinem Vortrag „Don’t talk nerdy to me!“ leider genau das: nur wirkliche Nerds konnten aufgrund der  Schnelligkeit und der Menge an erneuten Fachbegriffen, die in den Erklärungen geliefert wurden,  etwas verstehen. Alle anderen ertranken in der Flut von Abkürzungen wie AJAX, API, SOAP, FTP, usw. (Damit erinnerte der Vortrag stark an den 90er Jahre-Song Mfg der Fantastischen Vier. Wer ihn grad nicht mehr im Ohr hat, kann sich hier auf die Sprünge helfen lassen). Der Nutzen der Vortrags geht daher leider gegen Null. weiterlesen »

    Social Media nach der Katastrophe in Japan

    Die unfassbare Katastrophe, die das Erdbeben der Stärke 9,0 in Japan auslöste, ist seit gut zwei Wochen allgegewärtig in den Medien. Nicht zuletzt durch die intensive Nutzung von Social Media wurde die Welt hautnah Augenzeuge des Naturereignisses und seiner Folgen. netz-reputation.de stellt die Frage nach dem Nutzen von Social Media für Betroffene, Journalisten und die Weltöffentlichkeit.

    Der Nutzen von Social Media I: Informationsfluss

    Die schleppende Informationspolitik der japanischen Regierung und die durch das Chaos eingeschränkte Arbeit von Journalisten reichen bei Weitem nicht aus, um die weltweite Informationsnachfrage zu decken. Obwohl ein Teil des Telekommunikationsnetzes offenbar zusammengebrochen ist, funktionieren die Internetleitungen des Landes weitgehend uneingeschränkt.

    Social Media ist dieser Tage der Kanal, der den Informationsfluss aufrecht erhält. Die weltweite Social Media Community, ein Heer von Privatpublizisten, springt ganz selbstverständlich in diese Lücke. Selbst Zeitungen wie die Zeit nutzen Twitter und Facebook als Informationsquellen. Der hohe technische Standard in Japan, insbesondere die Verbreitung von mobilen Geräten mit Internetzugang sorgt für eine unübersichtliche Flut an User-generated Content, also von Privatpersonen verfasste Inhalte. Viele Betroffene wollen sich mitteilen. Andere Social Media Nutzer liefern sich einen regelrechten Wettkampf, bei dem man sich gegenseitig mit den neuesten Horrormeldungen zu übertreffen versucht. Wir wollen an dieser Stelle allerdings ein Beispiel für nützliche Social Media Nutzung anführen, den Blogger Katsuyuki Ueno.

    Der Ein-Mann Social Media Sender

    Fast ununterbrochen kann man Katsuyuki “Katz” Ueno via Webcam vor seinem Rechner bei der Arbeit zusehen. Dem japanischen Blogger reichen wenige PC’s, ein Microfon, eine Webcam, ein TV-Empfänger und sechs Social Media Accounts um fast rund um die Uhr eine Art Livestream Katastrophen TV zu betreiben. Nur für kurze Schlafpausen geht der Yokosonews Livestream offline. Über Twitter, Facebook, Skype, My Space, Ustream und einen Email-Account sammelt Ueno die neusten Nachrichten aus dem Katastrophengebiet und bereitet sie auf englisch für die ganze Welt auf. Wie viele Andere traut er dem Wahrheitsgehalt der staatlichen NHK-Nachrichten nicht. Deshalb gibt Ueno ungefiltert Warnungen zu Nachbeben oder anderen akuten Bedrohungen weiter, lässt Betroffene und Suchende über eine Skype-Schaltung oder über Chat zu Wort kommen. Seine Informationen bezieht er über sein Social Media Netzwerk. Einige ehrenamtliche Helfer stehen ihm bei der Informationssuche zur Seite. Es liegt auf der  Hand, dass der Ein-Mann-Sender nicht die journalistischen Kriterien erfüllen kann, die man an reguläre Publikationen anlegen würde, auch sind nicht alle Meldungen brandaktuell und lupenrein nachprüfbar. Katz Ueno leistet aber einen wichtigen Beitrag, zumindest einen rudimentären unabhängigen Nachrichtenfluss zu garantieren und zu koordinieren.

    Katz Ueno -Social Media TV

    Der Nutzen von Social Media II: Humanitäre Hilfe

    Weitaus wichtiger als die Neugier der verschreckten Weltöffentlichkeit zu stillen, ist im Moment die direkte Hilfe für die Opfer. In dieser Hinsicht ist Social Media zu einem fast unverzichtbaren Bestandteil der humanitären Hilfe geworden. Zunächst hilft Social Media, die Arbeit der vielfältigen Hilfsorganisationen zu erleichtern und koordinieren. Zum zentralen Medium dafür ist der kenianischen Streetmap Dienst Ushahidi (“Zeuge”) geworden. Ursprünglich wurde er 2008 während der Unruhen nach den kenianischen Wahlen zu Dokumentationszwecken eingesetzt, aber auch schon beim Erdbeben in Haiti genutzt. Durch SMS-Informationen tausender Betroffener kann die Katastrophe minutiös dokumentiert werden. Über ein Crowdsourcing-Verfahren werden Informationen über Vermisste gespeichert, die für die Öffentlichkeit abrufbar sind. Außerdem nutzen humanitäre Hilfsdienste die Crowd-Maps um ihre Einsätze zunächst auf die am schlimmsten betroffenen Gebiete zu konzentrieren. Darüber hinaus findet man aber auch Wetterinformationen oder Neuigkeiten über die Strahlungslage. Die Ushahidi-Informationen werden zum Teil in die Übersichtskarten verschiedener Geodatenunternehmen eingespeist und liefern nebenbei der Wissenschaft einen wertvollen Dienst, zum Beispiel für die Prognose weiterer Nachbeben.

    Crowd-Mapp von Ushahidi

    Crwod-Map von Ushahidi

    Nutzen von Social Media III: Fundraising

    Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Katastrophenhilfe leisten Social Media Anbieter mit dem Sammeln von Spenden. Die Spendenplattform Causes beispielsweise konnte nach eigenen Angaben bereits 140 Millionen Spender mobilisieren, die zusammen 30 Millionen Dollar für die Erdbebenopfer locker machten. Ein Großteil kam direkt über Facebook, beziehungsweise eine Facebook App zustande. Der Online-Spielhersteller Zynga (bekannt durch Facebook Anwendungen wie Farmville oder Mafia Wars) hat schon 2010 auf Haiti bewiesen, dass er effizient Spendengelder auftreiben kann. Durch den Verkauf von virtuellen Gütern in Farmville und anderen Online-Spielen, will Zynga über die Facebook Anwendungen mindestens 2 Millionen Dollar Spenden auftreiben.

    Die Liste von Social Media Besipielen ließe sich noch beliebig erweitern. Unter dem Strich lässt sich sagen, dass Social Media eine bedeutende Rolle bei der Krisenbewältigung in Japan spielt, die Weltöffentlichkeit zur Spendenbereitschaft mobilisiert und mit Informationen versorgt.

    Was, liebe Leser, denkt ihr darüber? Kommentare erwünscht.

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