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    Von Pseudonymen und der Frage nach der Anonymität im Netz

    Die Diskussion am schmalen Grat zwischen Sicherheit im Netz und Schutz der Meinungsfreiheit war noch nie einfach. Nach den Attentaten in Norwegen ist sie jetzt wieder neu entflammt. Bundesinnenminister Friedrich fordert eine Klarnamenpflicht und damit ein klares Aus für Anonymität im Internet. „In der demokratischen Auseinandersetzung streiten wir mit offenem Visier auf Basis unserer verfassungsmäßigen Spielregeln. Warum sollte das im Internet anders sein?“, fragte der CSU-Politiker in einem Interview mit dem „Spiegel“.

    Heftige Reaktionen auf Forderung nach Pseudonym-Verbot

    Friedrich stößt mit seiner Forderung auf massive Ablehnung, sowohl in der Blogosphäre als auch unter seinen Politiker-Kollegen. Die Grünen finden den Vorschlag „naiv“, die SPD sieht ihn als „Ausdruck von Hilflosigkeit“ und sogar der Koalitionspartner FDP bezeichnet ihn als „völlig illusorisch“.

    In der Bloggerszene ist man sich einig: Den Mund verbieten lässt man sich nicht. Empörung ist das Gebot der Stunde und Ironie das Mittel zum Zweck. Unter dem Pseudonym „ihr“ kommentiert ein Blogger:

    Das wäre fantastisch! Der deutsche Überwachungsstaat müsste nicht nach den Urhebern missliebiger Meinungen suchen, sondern könnte sie sofort abstrafen lassen.
    Wer durch kritische Kommentare auffällt, wird durch den Arbeitgeber gefeuert. So könnte man kritische Meinungen im Keim ersticken.

    Das wäre auch ganz im Sinne der Sachsen-CDU, die ungestraft Millionen Handydaten von Bürgern auswertet, welche offen an einer Demonstration gegen die NPD teilnahmen.

    Doch halt, war da nicht schon was? Das Telemediengesetz sieht die Nennung des Namens bei ‚öffentlich zugänglichen journalistischen oder redaktionellen Publikationen‘ vor. Nichts anderes also, als die Klarnamenpflicht unter einem Pseudonym. Die Impressumspflicht gilt für Journalisten und in den meisten Fällen auch für Blogger. Wenn das kein ‚offenes Visier‘ ist…

    Pseudonym-Verbot auf Google+

    Ist die ganze Diskussion also viel Lärm um Nichts? Politiker surfen ja durchaus gerne mal auf der Killerspiel-Welle, doch hinter der Pseudonym-Debatte steckt mehr als reiner Populismus.

    "Your profile is suspended." Pseudonym-Profile wurden kurzerhand gesperrt.

    "Your profile is suspended." Pseudonym-Profile wurden kurzerhand gesperrt.

    Google+ verursachte diesbezüglich vor einigen Wochen den ersten mittelgroßen Skandal seiner Geschichte: Ohne Vorankündigung wurden alle Profile gelöscht, die unter einem Pseudonym erstellt wurden. Ein Aufschrei ging durch die Blogosphäre und Google+ beeilte sich, die Vorgehensweise zu ändern. Man kann zwar nur unter Angabe des echten Namens ein Profil erstellen, aber auch die Verwendung von Pseudonymen ist jetzt, wenn auch nur begrenzt, möglich. weiterlesen »

    Bud-Spencer-Tunnel: Schwäbisch Gmünd zwischen Krisen-PR und Social Media Shitstorm

    Der Schwäbisch Gmünder Gemeinderat will sich modern und fortschrittlich präsentieren. Zur Namensgebung eines Tunnelneubaus bietet er eine Online-Wahl an. Auf die Vorschlagsliste schleicht sich auch der “Bud-Spencer-Tunnel”, der von der Facebook Gemeinde zum Sieger gemacht wird. Die Stadt rudert jedoch auf einmal zurück, die Wahl sei nur ein Meinungsbild, man müsse erst mal sehen wie der Tunnel nun heißen soll. Der politische Vorstoß ins Web 2.0 droht in einem Social Media Shitstorm zu (g)münden.

    Ein Tunnel für Bud Spencer

    Das Regierungspräsidium Stuttgart hat gemeinsam mit der Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd bei der Namensfindung für das Tunnelbauwerk der B 29 in Schwäbisch Gmünd entschieden, die Bürgerinnen und Bürger mit einzubinden. Mit dieser Namensgebung soll die besondere Verbundenheit der Stadt zu diesem Bauwerk dokumentiert werden.

    Was die Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd dort etwas schwurbelig verkündet, entwickelt sich derzeit zum PR-Desaster samt Social Media Shitstorm. Das Wichtigste in Kürze: In Schwäbisch Gmünd wird ein Tunnel gebaut. Anstelle das Ding jetzt “B 29-Tunnel” zu nennen, kam man im Stadtrat auf die Idee, die Bevölkerung solle den Namen vorschlagen und darüber abstimmen. Hunderte Möglichkeiten wurden eingereicht, absurde aussortiert und 83 Vorschläge standen zur Wahl. Darunter auch der “Bud-Spencer-Tunnel”, den die Internetgemeinschaft als ihren Favoriten auserkoren hatte. Der Bud-Spencer-Tunnel gewann die Abstimmung landrutschartig. (Offizielle Ergebnisse werden morgen präsentiert.)

    Bud Spencer Fans nutzen Social Media, um ihr Idol zu würdigen

    Organisierte Bürgerpartizipation auf Facebook

    Organisierte Bürgerpartizipation auf Facebook

    Uns ist nicht bekannt, wer den ursprünglichen Vorschlag zum Bud-Spencer-Tunnel bei der Stadt einreichte. Benedikt Elser allerdings trat den Hype los. Der 21-Jährige wurde von einem Freund auf die Wahl aufmerksam gemacht. Elser, selbst großer Bud Spencer Fan, erstellte auf Facebook eine Veranstaltung (für den Zeitraum der Wahl), in der er dazu aufrief, für den Vorschlag “Bud-Spencer-Tunnel” zu stimmen. Die Schnittmenge Social Media affiner Internetnutzer und der Fangemeinde des alten Italowesternhelden ist scheinbar riesig: Bis jetzt nehmen knapp 70.000 Facebook User an der Veranstaltung teil, 220.000 weitere sind eingeladen. Es dauerte nicht lange, bis eine kritische Masse erreicht war. Voting und Facebook Veranstaltung starteten am 18. Juli, am 20. berichteten die ersten “großen” Medien über das “Bud Spencer-Dilemma”. weiterlesen »

    Wo zum Teufel liegt das? Social Media sagt’s Dir!

    Ein Foto: dichter Wald, eine schmale Straße zieht sich bis zum Horizont. Dass solches Laubwerk nicht in Deutschland zu finden ist, erahnt man zwar, aber sagen wo genau auf der Welt sich diese Straße durch den Wald schlängelt…? Ein Ding der Unmöglichkeit? Nicht wenn es nach wherethefuckisthis.com geht. Die Website hilft Nutzern den Ort ihrer Fotomotive zu finden. Wo steht doch gleich die Skyline auf meinem Desktophintergrund? Oder der Platz, den jemand bei Tumblr gepostet hat?

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    Erste Eindrücke zu Google+

    Invite-only: Noch müssen Interessierte warten, nur mit Einladung kann man Google+ momentan testen.

    Invite-only: Noch müssen Interessierte warten, nur mit Einladung kann man Google+ momentan testen.

    2004 rief Google Orkut ins Leben. Ein soziales Netzwerk, das Friendster Konkurrenz machen sollte. Der Dienst sollte sich nur in Brasilien und Indien wirklich durchsetzen. Oder erinnert sich noch jemand an Google Buzz oder Wave? Nein? Nun ja, Googles bisherige Ausflüge in die Social Media Welt waren kurzlebig und unerfolgreich. Mit Google+ soll sich das ändern. Der Großangriff auf Facebook geht in die Testphase. Allerdings ist für die Registrierung noch eine Einladung notwendig und selbst dann wird man von Google derzeit vertröstet, dass die Kapazitätsgrenzen erreicht sind. Nichts desto trotz, wer sich einen ersten Eindruck machen will, für den haben wir die besten “Augenzeugenberichte” zusammengetragen:

    Einen Blick auf die Funktionalität kann man dann doch schon selbst werfen: Eine interaktive Demo steht nämlich auch zur Verfügung.

    Update: Es gibt natürlich auch ein fetziges (hübsch gemacht, aber inhaltsleeres) Promo-Video, das wir der Vollständigkeit halber euch nicht vorenthalten wollen.

    15.000 Partywillige versetzen Nachbarschaft via Facebook in Angst

    Viele Jugendliche träumen von der perfekten Sweet 16-Party. Auch Thessa K. aus Hamburg wollte heute Abend mit ihren Freunden in ihren 16. Geburtstag reinfeiern. Auf Facebook lud sie zur Party ein. 15.000 User sagten zu, ihr Vater ab. Was ist passiert, dass nun ein privater Sicherheits-Dienst das Anwesen der Familie in Hamburg-Bramfeld schützen muss?

    Die Geister, die ich rief…

    In unserer Rubrik Status Flopper weisen wir regelmäßig auf die Gefahr unbedarfter Status Updates in sozialen Netzwerken hin. Ein ähnlicher Fehler ist Thessa unterlaufen. Anstatt die Veranstaltung auf Facebook als “privat” zu kennzeichnen, machte sie die Eventseite für alle Nutzer zugänglich. Adresse und Telefonnummer waren somit nicht nur für die von ihr eingeladenen Freunde sichtbar. Innerhalb kürzester Zeit sagten 15.000 Gäste zu. Die Eventseite wurde daraufhin gelöscht, ihr Vater verkündete in der Hamburger Morgenpost, die Party sei abgesagt. „Ein privater Sicherheitsdienst und die Polizei sind bereits involviert“, so Lutz K. Die Nachbarn dürften, dank des mangelnden Online Reputation Managements, trotzdem genervt sein.

    „Ich feier am 03.06. in meinen Geburtstag rein. Kommen kann, wer will, aber bitte vorher Bescheid sagen!“

    Bleibt abzuwarten, wie viele der “Gäste” heute Abend wirklich kommen. Dass bloße Fanzahlen nicht 1 zu 1 in Partizipation umrechenbar ist, hat beispielsweise die Demo-Reihe Pro Guttenberg gezeigt: zehntausende Sympathisanten hatten auf Facebook ihr Kommen angekündigt, erschienen sind einige Hundert. Die Internetgemeinde stellt auch hier wieder ihre Kreativität unter Beweis. Der Blog Thessas Sweet 16 sammelt den Facebook Content, auf YouTub findet sich eine Reihe Geburtstagslieder für Thessa:


    Von Sebastian Kahl

    TED inspiriert die Welt

    Am 7. Juni 2011 findet in München unter dem Thema „Hot Spots“ zum zweiten Mal die TEDxMunich statt. Die Veranstaltung ist nach dem Konzept der TED Konferenz organisiert und richtet sich an Architekten, Designer, IT-Experten, Wissenschaftler, Unternehmer und Politiker. Ziel der Konferenz ist der Dialog zwischen führenden Denkern und Experten sowie Konferenzteilnehmern über alle Disziplinen hinweg. Damit sollen Ideen in die Welt getragen werden. Zu den rund 20 Sprechern in diesem Jahr zählen: Peter Plantec, Autor und Software-Experte für die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Er stellt das Virtual Human Interface „Sylvie“ vor und demonstriert, wie wir damit der stetig steigenden Datenflut Herr werden können. Der Vulkanologe und Rolex-Preisträger Andrew McGonigle fasziniert mit seiner innovativen Helikopter-Konstruktion, um Vulkanausbrüche besser zu bestimmen. Robert Caughlan, Umweltaktivist und ehemaliger Berater des US-Präsidenten Jimmy Carter, stellt seine Umweltaktivitäten vor.

    VIP-Karte für die TEDxMunich zu vergeben

    Wer an der TEDxMunich teilnehmen möchte, muss sich bewerben unter www.tedxmunich.com. Maximal 400 Teilnehmer werden akkreditiert. Wir vergeben ein VIP-Ticket an den ersten Leser, der sich bei der Autorin meldet (ct@consense-communications.de). Wer es nicht rechzeitig schafft, kann sich noch über die Homepage bewerben. Dort gibt es dann auch weitere Informationen und tägliche Updates. Für alle, die schließlich nicht dabei sein können, wird die TEDxMunich per Livestream übertragen www.livestream.com/tedxmunich.

    Eurovision Song Contest 2011: 12 Social Media Points go to…?

    Der Eurovision Song Contest 2011 am vergangenen Samstag war eines der absoluten TV-Highlights des bisherigen Jahres. Der europäische Singwettbewerb bescherte der ARD mit 14 Millionen Zuschauern weit höhere Einschaltquoten als beispielsweise die Hochzeit von Kate und William. Aber der ESC ist nicht mehr nur ein großes TV-Event: Das Internet hält Einzug in die Wohnzimmer. Social Media Plattformen wie Facebook oder Twitter werden zu den wichtigsten Nebenschauplätzen der Veranstaltung. Netz-Reputation hat sich den inoffiziellen “Eurovision Social Media Contest” genauer angeschaut.

    Fernsehen und Social Media ergänzen sich

    “TV is not enough” – dürfte ein Fazit des ESC 2011 sein. Laut einer Pressemitteilung von Kabel Deutschland verfolgten über 40 Prozent, der für die Erhebung Befragten, den ESC neben dem TV parallel auch im Internet. Eine erstaunlich hohe Quote. Sie zeigt einerseits, dass sich TV und Internet zunehmend vernetzen, andererseits aber auch, dass die Akzeptanz von Social Media in Deutschland immer größer wird. Diese Erkenntnis ist wohl auch bei vielen Unternehmen angekommen. Rund um den ESC lancierten zahlreiche Firmen Social Media Kampagnen. Der Haarkosmetik-Hersteller Schwarzkopf tritt 2011 als “offizieller Beauty-Partner” des Eurovision Song Contests auf. Dazu initierte die Henkel-Tochter im Vorfeld einen Frisuren-Contest mit Namen The Look of Music, bei dem das ausgefallenste Haar-Styling unter den Teilnehmern gesucht wird. Schwarzkopf fuhr seine Social Media Kampage nicht nur auf seiner Homepage, sondern hauptsächlich über Facebook. Auch Lufthansa nutzte das Großevent und launchte kurzerhand eine Foursquare-Badge. Wer zwischen dem 12. und 15. Mai über den Location Based Service Foursquare seine persönliche ESC-Party-Location angab, konnte verschiedene Party-Accessoires gewinnen. Groß angekündigt war das ganze auf Facebook und Twitter. Auch innerhalb der Blogosphäre war der Eurovision Song Contest ein vieldiskutiertes Thema. Knapp 10.000 Blogartikel verzeichnete der Social Media Buzz Report im Vorfeld des Wettbewerbs. Die beiden bekannten Blogger Stefan Niggemeier und Lukas Heinser haben dem Event sogar einen eigenen Video-Blog gewidmet (siehe oben).

    Social Media Kampagne Lufthansas zum Eurovision Song Contest 2011

    Social Media Kampagne Lufthansas zum Eurovision Song Contest 2011

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    10. Twittwoch in München – Ein Resumée

    Nach einer recht langen Durststrecke fand diese Woche nun endlich wieder ein Twittwoch in München statt. Vereinfacht: viele Leute mit Smartphones trafen sich am Mittwochabend, um die neuesten Trends im Social Web zu erfahren und zu diskutieren. Florian Bergmann wollte im ersten Vortrag des Abends schwierige Kommunikation zwischen Marketing-Experten und Programmierern vereinfachen. Danach ging es um die Anwendung von Social Media Strategien. Daniel Rehn stellte das von der Münchner Agentur talkabout erstellte „Modell 7c“ vor.

    Twittwoch zeigt sich nerdy

    Beziehungsweise eigentlich nur Florian Bergmann:  Der hatte mit seinem Vortrag geplant, die Marketing- und PR-Berater für ihr nächstes Meeting mit vielen schlauen Begriffserklärungen aus dem digitalen Sprachjargon zu versorgen. Nach der ersten noch verständlichen Erklärung des Begriffs „Agile Entwicklung“, eine Softwareentwicklungsform, welche  vor allem bei langen und daher unvorhersehbaren Prozessen eingesetzt wird, legte Florian Bergmann richtig los: AJAX, API, SOAP, FTP, MVC, MYSQL… Alles ging so schnell, dass die eben noch gezückten Kugelschreiber der Zuhörer frustriert wieder zur Seite gelegt wurden. Florian Bergman tat in seinem Vortrag „Don’t talk nerdy to me!“ leider genau das: nur wirkliche Nerds konnten aufgrund der  Schnelligkeit und der Menge an erneuten Fachbegriffen, die in den Erklärungen geliefert wurden,  etwas verstehen. Alle anderen ertranken in der Flut von Abkürzungen wie AJAX, API, SOAP, FTP, usw. (Damit erinnerte der Vortrag stark an den 90er Jahre-Song Mfg der Fantastischen Vier. Wer ihn grad nicht mehr im Ohr hat, kann sich hier auf die Sprünge helfen lassen). Der Nutzen der Vortrags geht daher leider gegen Null. weiterlesen »

    To blog or not to blog! A Question?

    Fachmedien kämpfen gerade einen langsamen, aber wahrscheinlich tödlichen Kampf gegen das Internet. Blogs heißen die potentiellen Online-Nachfolger der Printmedien. Heribert Prantl prophezeite einst in der Süddeutschen Zeitung das Ende der Printmedien zwischen 2020 und 2050. Dann sollen Online-Publikationen komplett übernehmen. Blogs gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. netz-reputation.de geht der Frage nach, ob Blogs wirklich eine Alternative zu den gedruckten Fachmagazinen werden können.

    A (web-)star is born: Verschiebung der Publikationshoheit

    Keiner kann den Siegeszug des Blogs aufhaltenDer Aufstieg der Blogs, besonders in den letzten fünf Jahren, war rasant. Blogforscher Jan Schmidt schätzt die Anzahl deutscher Blogs auf mehrere Hunderttausend – genauer beziffern lässt sich das mangels fehlender Erhebungen bislang nicht. Tausende von Personal-Blogs, dienen einzig der Unterhaltung. Der Nutzen für den Leser ist oft nur für persönliche Bekannte erkennbar. Ein Hinweis dafür, dass das Blog noch nicht die Bedeutung hat, die es für die Medienlandschaft einnehmen könnte. Allerdings findet eine Professionalisierung der Blogosphäre statt. Immer mehr Menschen und Unternehmen haben die wahre Bedeutung des Blogs erkannt: Es erodiert das Publikationsmonopol von Journalisten und Redakteuren. Die Installation eines kostenfreien WordPress-Template reicht aus, um seine persönliche Redaktionskarriere zu starten. Das Blog kommt langsam in der Mitte der Gesellschaft an: Wahlkämpfe von Politikern werden auf Blogs dokumentiert, irokesentragende Internetpunks sind heiß begehrte Fernsehexperten aus einem anderen Medium und Journalisten erkennen Blogs zunehmend als Nachrichtenquelle an.

    Blogs – die neuen Fachmedien im Internet?

    Laut einer Umfrage des Verbandes der deutschen Fachpresse aus dem jahr 2010 lesen immer noch 85 Prozent der deutschen Entscheider regelmäßig Fachmedien im Printformat. Online-Angebote von Fachzeitschriften werden dagegen nur von 40 Prozent genutzt. Die Offline-Leser bekommen allerdings immer weniger zu lesen. Anbieter und Hersteller schalten immer weniger Printanzeigen, die Etats für Online-Werbung dagegen steigen. Die Folge: Viele kleine Fachmedien mit geringer Auflagenzahl können sich nicht auf dem Markt halten.

    Das Blog muss sich die Nachfolgerrolle der Fachmedien erst noch erkämpfen. Es ist bereits auf dem Weg: Einerseits steigert sich die Qualität der Fach- und Corporateblogs, andererseits überlassen Printmedien ihren Online-Konkurrenten gezwungenermaßen immer stärker das Feld. Die Zeichen der Zeit stehen auf Niedergang für die gedruckten Fachmedien: Momentan gibt es noch etwa 3.900 deutsche Fachzeitschriften. Bis 2006 war die Anzahl der Titel im Wachstum begriffen. Dies ist aber vorbei. An der Online-Konkurrenz scheitern viele Fachmedien. Der drastische Rückgang der IT-Fachmedien ist ein Paradebesipiel für diese Entwicklung.

    Blogs: Nutzerorientierte Inhalte

    Die Nachfrage an branchenspezifischer Information wird größer, die Welt spezialisiert sich. Interessengruppen differenzieren sich weiter aus, Wissen und Expertise steigen. Immer mehr Menschen fühlen sich dazu berufen, ihr Wissen zu dokumentieren und weiterzugeben. Fachblogs sprießen wie Pilze aus dem Boden. Der Informationskonsum wird durch Blogs nachhaltig beeinflußt werden. Blogs gelten als persönlicher und authentischer. Blogs regen zum Dialog an, sie durchbrechen die Informationseinbahnstraße vom Publizisten zum Leser. Gerade Unternehmen begreifen das als Chance, um Meinungen ihrer potentiellen Kunden einzuholen und darauf reagieren zu können. Der Einfluss der User steigt, Mundpropaganda ist Gegenstand einer neuen Marketing-Strategie geworden. Die Steuerung von Word-of-Mouth-Marketing, also der Beeinflußung von User-Meinungen ist allerdings noch schwer strategisch umzusetzen und wirft neue Fragen auf. Blogger unterliegen nämlich einem ungeschriebenen Ehren-Kodex: Ihre Veröffentlichungen sind unabhängig und ihre Meinungen nicht käuflich. Dies gilt weniger für Corporate-Blogs, aber sie sollten eine goldene Regel der Netzcommunity beachten: reines Eigen-Marketing kommt nicht gut an. Wer Erfolg haben will, muss Mehrwerte für den Leser liefern!

    Zukunft des Blogs: “Geliked” ist nicht gelogen?

    Bloggte Descartes?Bis die Blogosphäre eine vollwertige Informationsalternative zu den gedruckten Fachmedien wird, muss sich noch einiges tun. Zum einen braucht es ein größeres Angebot an seriösen Blogs, die verlässliche Informationen anbieten. Nur durch Professionalisierung kann über die Blogosphäre eine Alternative zum traditionellen Journalismus enstehen. Die Arbeit von Journalisten wird dadurch sicherlich nicht überflüssig werden, aber eventuell weniger exklusiv. Entscheidend für die Akzeptanz von Blogs wird aber die gesellschaftliche Entwicklung der nächsten Jahre sein. Die Menschen müssen sich an eine neue Form des Journalismus gewöhnen. Zudem muss das Medium Blog noch mehr in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Das kann zunächst nur über die traditionellen Medienkanäle geschehen. Wenn Zeitungen über Blogs berichten, auf deren Informationen zurückgreifen und die glamouröstesten Blogger im Fernsehen als Meinungsführer zu sehen sind, wird die mediale Relevanz des Blogs auch bei den Menschen ankommen. Die Zeit wird es richten: In den nächsten Generationen gibt es fast nur noch Digital Natives. Sie werden sich wahrscheinlich in ihren Blogs über die steinzeitliche Nutzung von Papier als Informationsquelle köstlich amüsieren. Ausschlaggebend ist zu guter Letzt die Rolle der Öffentlichkeit: Wenn Blogs vom Volk für das Volk geschrieben sind, dann unterliegt die Kontrolle der Inhalte ebenfalls dem Volk. Die Öffentlichkeit der Zukunft muss noch kritischer sein als heute, Informationen hinterfragen und seine Rolle als dialogischer Informationsfilter wahrnehmen.  Ob das funktioniert weiß keiner. Vielleicht wird die Wahrheit irgendwann nach dem basisdemokratischen Prinzip des Facebook-Like-Buttoms definiert: Was “geliked” wird, ist wahr!

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    Von Lars Wich

    Silver Surfer – Ein Schatz im Web 2.0

    Silver Surfer: Sie haben Zeit, sie haben Geld und sie leisten sich auch was. Menschen ab 60 sind eine interessante Zielgruppe für PR- und Marketingfachleute. Lang galt das Internet nicht als mögliche Plattform, mit ihnen zu kommunizieren. 1997 waren gerade mal 0,2 Prozent der sogenannten Best Ager im Netz. Doch in den letzten Jahren hat sich viel getan. Inzwischen surfen 28,2 Prozent der über 60-Jährigen im Web.

    Wo finden wir den Schatz der Silver Surfer?

    Doch wo im Netz halten sich Silver Surfer auf? Was beschäftigt sie? Warum gehen sie online und wie können sie erreicht werden? Das Google Keyword-Ranking listet auf, wie oft ein Wort im Monat in das Google-Suchfeld eingegeben wird. Das Ergebnis vermittelt einen ersten Eindruck, wo Silver Surfer zu finden sind:

    Viele Silver Surfer nutzen Foren um sich mit Gleichaltrigen auszutauschen.

    Viele Silver Surfer nutzen Foren um sich mit Gleichaltrigen auszutauschen.

    Silver Surfer in Foren

    Knapp 15.000 Mal wird pro Monat nach Foren für Senioren gesucht. Das Internet ist voll davon. Ob lebensfreude50.de, forum-fuer-senioren.de oder seniorenportal.de, in den Foren geht es vor allem um die gemeinsame Freizeitgestaltung, Partnersuche und das Leben im Alter. Eigene Erfahrungen werden geteilt und oft auch Hilfe erbeten. Foren für Senioren werden von Silver Surfern viel genutzt. Es herrscht rege Diskussion und Kommunikation.

    Blogs von und für Silver Surfer

    Es gibt sie: Blogs von und für Senioren. Silver Surfer teilen ihre Erfahrungen und bieten Hilfestellungen und Erfahrungen für den leichteren Alltag älterer Menschen. Beispiele dafür sind senioren-blog.info oder senioren-blog.net. Hier werden die Bedürfnisse und aktuelle Themen der Silver Surfer publiziert. Blogs bieten eine Chance, mehr über die Interessen der Silver Surfer herauszufinden.

    Silver Surfer – Wie können Unternehmen sie erreichen?

    Ganze 165.000 Mal tippen User pro Monat Best Ager in die Google Suchfunktion. Gesucht wird die Zielgruppe also. Gefunden werden kann sie auch. Aber wie sollte sie angesprochen werden?

    Grob gesagt: klassisch! Anhänger von mobile Kampagnen und Smartphones müssen ihre Ansprüche zurückschrauben. Nur zwei Prozent der Silver Surfer besitzen ein Smartphone. Ein Großteil kann somit weder mit Apps, noch mit QR-Codes erreicht werden. 78 Prozent der Silver Surfer haben aber einen PC Zuhause stehen. Bei 43 Prozent der Befragten bietet der eigene Laptop Zugang zum Internet. Das bedeutet, die meisten Silver Surfer sitzen Zuhause vor dem Rechner und haben Zeit auf Werbeangebote zu klicken. Eine klassische Ansprache wäre zum Beispiel Banner Werbung oder Gutscheinangebote. Aber auch längere Artikel zu Produkten sind denkbar, Silver Surfer auf das eigene Unternehmen aufmerksam zu machen.

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    Von Julia Prockl

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