Online Reputation

    Der schwarze Mittwoch im Netz

    Diesen Mittwoch sperrte Wikipedia seine Inhalte. Aus Protest gegen U.S.-amerikanische Gesetzesentwürfe zeigte die englischsprachige Version des Online Lexikons 24 Stunden eine schwarze Seite. Am Blackout Day haben sich zahlreiche Websitebetreiber verhüllt, um auf die Gefahren von SOPA (Stop Online Piracy Act) und PIPA (Protect IP Act) hinzuweisen. Nicht weniger als die Freiheit des Internets steht den Gegnern zur Folge auf dem Spiel, wenn die Gesetzesinitiativen durchgebracht werden.

    Die Gefahren der SOPA und PIPA Gesetzesentwürfe

    Eigentlich richten sich SOPA und PIPA gegen Internetpiraterie und somit gegen Urheberrechtsverletzungen. Was ist also das Problem? Die zentralen Argumente der Netzaktivisten beziehen sich auf zwei Punkte: Zum einen beinhalten SOPA und PIPA durch einen Eingriff in die technische Architektur des Internets die Möglichkeit für Netzsperren. Zum anderen verlangen die Gesetze von Internetprovidern gegen mögliche Urheberrechtsverletzungen selbstständig vorzugehen.

    Neuerungen durch SOPA und PIPA

    Diese Neudefinition der Provider- und Plattformhaftung würde bedeuten, dass Plattformbetreiber für die Inhalte verantwortlich sind, die Nutzer darauf teilen. Um mögliche Klagen gegen Urheberrechtsverletzungen von vorneherein auszuschließen, müssten Betreiber die Nutzer stärker überwachen. Auch die Echtzeit, mit der wir das Internet nutzen, wäre in Gefahr. Man stelle sich vor, dass jeder Facebook Status oder jeder Tweet durch Menschenhand freigeschalten werden müsste. Viele Inhalte, die zurzeit innerhalb von Grauzonen im Netz bestehen, würden vorsorglich gelöscht werden.

    Netzsperren durch SOPA und PIPA

    Das Problem mit dem Aufbau einer Infrastruktur für Netzsperren ist ein anderes: Was zum Schutz der wirtschaftlichen Interessen von U.S.-amerikanischen Copyright-Inhabern dienen soll, könnte schnell über das eigentliche Ziel hinaus schießen. Die Gegner von SOPA und PIPA befürchten, dass weltweit bequem Inhalte, Verlinkungen und komplette Websites von den USA aus gelöscht werden könnten. Es wäre nur ein kleiner Schritt vom Schutz geistigen Eigentums hin zur Zensur von ungeliebten Inhalten.

    Bedeutung von SOPA und PIPA für Europa

    Warum SOPA und PIPA auch uns in Europa etwas angeht, ist schnell klar: Viele beliebte Plattformen von Wikipedia bis Facebook haben in den USA ihren Sitz und wären massiv von den Gesetzen betroffen. Youtube wäre nicht so groß geworden, hätten die Gesetze bereits existiert. Außerdem gibt es auch ein europäisches Pendant zu SOPA: ACTA. Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement wird von denselben Lobby-Gruppen vorangetrieben wie in den USA: Hollywood und Co.

    Auswirkungen des Blackouts

    Nichts desto trotz: Der schwarze Mittwoch hat gewirkt. Den Usern wurde gezeigt wie eine Welt ohne freies Internet aussehen würde. Bei Twitter häuften sich nach dem Blackout von Wikipedia die besorgten Tweets von Schülern und Studenten, dass sie ihre Abschlüsse ohne Wikipedia vergessen könnten. Was einen zunächst Schmunzeln lässt, verdeutlicht doch dass das Internet ein öffentlicher Raum ist, der allen Menschen gehört und an dem sie sich frei ausdrücken und austauschen können, an dem ein großer Teil des menschlichen Wissens gespeichert ist.

    Fazit

    Das haben die Protestaktionen von Wikipedia und Co. gezeigt: Geistiges Eigentum muss geschützt werden, doch nicht für den Preis von Wissen und Freiheit. Selbst Barack Obama und das Weiße Haus geben den Netzaktivisten Schützenhilfe: offiziell haben sie sich gegen den Teil der Gesetze ausgesprochen, der eine Zensur-Infrastruktur aufbauen würde. Zudem dürfte ein Gesetz zum Schutz von Copyrights nicht die Innovationskraft amerikanischer Unternehmen gefährden, so Obamas Berater. Vor nichts hätten die USA mehr Angst. Vom Tisch sind die Gesetze zwar noch nicht aber ihre Unterstützer schwinden.

    Vom Bundespräsidenten zum Unwort 2012?

    Während im Schloss Bellevue die Luft für Bundespräsident Wulff immer dünner wird, hat sich seine Online Reputation  längst verselbsständigt. Die Affäre bietet nicht nur besten Stoff für Satiriker. Im Sprachgebrauch hat sich mittlerweile das “Wulffen” etabliert. Besonders über Twitter verbreitete sich die Wortneuschöpfung rasch. Doch wer’s mit der Verunglimpfung übertreibt, kann dafür auch im Gefängnis landen.

    Neologismus “Wulffen”

    Das Krisenmanagement des Bundespräsidenten hat in der Kredit-Affäre auf jeder Linie versagt. Seine Salami-Taktik wirkte zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig. Trauriger (bisheriger) Höhepunkt: das Fernsehinterview in der ARD und ZDF in der ersten Januarwoche. Kurz danach taucht auch “Wulffen” erstmals auf. Holger Klatte vom Verein Deutscher Sprache erklärte den Neologismus bei Spiegel Online so:

    “Mittlerweile haben sich zwei Bedeutungen herauskristallisiert.” [...] So stehe das Verb “wulffen” zum einen für das Vollreden eines Anrufbeantworters. “Die zweite Variante bedeutet, dass man nicht direkt die Wahrheit sagt, aber auch nicht direkt als Lügner dastehen will. [...] Das heißt, dass man nicht direkt angegriffen werden kann. Aber so richtig vertrauenswürdig ist man trotzdem nicht. Wir werden sehen, ob sich eine Variante durchsetzt.”

    Neue Interpretationen erwünscht?

    In der gestrigen Günther Jauch-Sendung war auch SPD-Mann Karl Lauterbach zu Gast. In der Diskussion zum Thema “Deutschland XXL – Brauchen wir Steuern auf Dickmacher?” war man beim Thema Nahrungsmittelzusätze angekommen, als Lauterbach aus seiner Sakko-Tasche einen Balisto-Riegel zog. Den habe er vor der Show vom Catering “gewulfft, also mitgenommen ohne dafür zu bezahlen”, verkündete er mit (Achtung Wortwitz) diebischer Miene. Ein schönes Beispiel wie sich die Online auf die Offline Reputation niederschlagen kann.

    Knast für Wulffen?

    Aber Vorsicht, zwar sind Erklärungen für’s “Wulffen” ok (eigene Kreationen gerne in den Kommentaren teilen). Aber wer’s zu weit treibt, dem könnte auch Besuch von Staatsanwalt und Polizei ins Haus stehen. “Wulffen” fällt unter den Schutz der Meinungsfreiheit. Allerdings gibt es in Deutschland den Straftatbestand der “Verunglimpfung des Bundespräsidenten”. Mit mindestens drei Monaten Gefängnis wird bestraft, wer den Bundespräsidenten beleidigt, ihm übel nachredet oder ihn gar verunglimpft: auch auf Facebook und Twitter. Udo Vetter vom Lawblog erklärt das so:

    “Diese Vorschrift wurde in den Babyjahren der Bundesrepublik eingeführt. Damals war man der Meinung, dass der Bundespräsident jeden Menschen, der in Deutschland lebt, repräsentiert. Nach dem Motto: Wer den Bundespräsidenten beleidgt, der beleidigt jeden.”

    Wortspiele mit dem Namen des Bundespräsidenten, die sich an der aktuellen Affäre orientieren, sind noch Teil der politischen Diskussion. Plumpe Beleidigungen aber können zu Anzeigen führen: “wenn man das unabhängig von einer sachlichen Debatte postet und damit die Ehre des Bundespräsidenten herabsetzt”, so Vetter. Es reicht übrigens nicht die eigenen Privatsphären-Einstellungen zu checken. Jeder Wulff-Sympathisant kann hier petzen. Also: Entweder nicht mit der Bundespräsidenten-Schelte übertreiben oder sachlich an der Diskussion teilnehmen.

    Interne Kommunikation 2.0: Intranet und Social Media

    Verändern die interne Kommunikation: Social Media und Intranet

    Intranet und Social Media machen die interne Kommunikation schneller, effizienter und effektiver. Die Online-Seminarreihe „E-Learning: Interne Kommunikation 2.0: Inranet und Social Media in der internen Kommunikation“ zeigt, wie die Tools funktionieren und die interne Kommunikation verbessern. Interessierte lernen die Grundlagen und Möglichkeiten der gewandelten internen Kommunikation kennen. Veranstalter ist die school for management and communications, die mit ihrem umfangreichen Seminarangebot Kommunikations- und Managementfähigkeiten an Fach- und Führungskräfte vermitteln will.

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    Couponing-Markt: Loxideals goes digital

    Das Start-Up Unternehmen Loxideals will 2012 mittels Digitalisierung von Rabattmarken den Couponing-Markt in Aufruhr bringen. Per „open wallet“-Technologie soll die Schnäppchenjagd im Einzelhandel erleichtert werden.

    Der Feldzug der Coupons

    So wird der Einkaufswagen noch voller: Coupons. Bild: Jim/commons.wikimedia.org (cc)

    Der Einsatz von Rabattmarken, neudeutsch „Couponing“, boomt. Was bis 2001 auf dem deutschen Markt noch auf Basis des Rabattgesetzes verboten war, erfreut sich hierzulande zunehmender Beliebtheit. 2010 verteilte der Einzelhandel über 10 Milliarden Rabatt-Gutscheine an die Verbraucher. Die Quote der eingelösten Coupons ist im Vergleich zum Vorjahr um 35% angestiegen. Hersteller können mit diesem Marketingtool gezielt ausgewählte Personengruppen. Bestehenden Kundenbindungen werden gestärkt und neue Interessenten angelockt. Auch der stationäre Einzelhandel profitiert vom Geschäft mit der reduzierten Ware, indem neue Kunden auf das lokale Angebot aufmerksam gemacht werden.

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    „Social Web Breakfast“ mit Vorreiter Microsoft

    Microsoft legt viel Wert auf die tägliche Pflege der Fanpages

    Etwa 50 Social Media Interessierte hatten sich am 30.11.2011 zum in der Lounge des Münchner Mathäser Kinos beim „Social Web Breakfast“ versammelt. Unter dem Motto „Vom Mitmachen zur Strategie – Social Media bei Microsoft“ referierte Annabelle Atchison, Social Media Manager von Microsoft Deutschland GmbH über das Brand Reputation Management des Unternehmens. Social Media Management wird bei Microsoft zwar als „Digital Marketing 2.0“ bezeichnet, fällt aber noch unter PR. Obwohl das Unternehmen Agentur-Unterstützung erhält, werden Social Media Aktivitäten firmenintern bearbeitet.

    Eine neue Organisationsstruktur muss her!

    Als Frau Atchison 2009 zum Unternehmen stieß, wiesen die online-affinen Mitarbeiter schon ein hohes Social Media Engagement auf. Es existierten schon Auftritte auf mehreren Kanäle. Diese liefen aber ohne Abstimmung nebeneinander her. Social Media Aktivitäten waren nur nach der simplen Richtlinie „be smart“ geregelt. Natürlich seien die Microsoft-Mitarbeiter „smart“, so Frau Atchinson. Trotzdem musste eine professionelle Organisationsstruktur her. Mit der Schaffung eines Social Media Councils, einer Strategic Group sowie mehreren Virtual Teams und dem neuen Posten eines Webmonitoring Managers setzte man die Pläne in die Tat um.  Es gibt nun konkrete Verantwortliche und Stellen, die passgenau auf Social Media ausgelegt sind. Die überarbeiteten Social Media Guidelines sind für alle Mitarbeiter zugänglich im firmeninternen Wiki hinterlegt. Neben Regelungen zum Krisenmanagement finden sich hier auch sogenannte Playbooks, die Bilder und Wording-Vorlagen für einzelne Themen liefern. weiterlesen »

    Shitstorm tobt auf Facebook-Seiten der EM 2012 Sponsoren

    Seit einigen Tagen werden die Facebook-Seiten der Sponsoren der Fußballeuropameisterschaft 2012 mit wütenden Kommentaren überschwemmt. Der Protest richtet sich gegen die gezielte Massentötungen von streunenden Hunden in der Ukraine. Die Sponsoren reagierten unterschiedlich auf diesen „Shitstorm“.

    Die EM in der Ukraine und die Hunde

    Straßenhunde müssen an den Austragungsorten der EM um ihr Leben bangen. Bild: Aitkens, Jennifer/commons.wikimedia.org (cc)

    Die Geschichte nimmt im April 2007 ihren Lauf als die UEFA bekannt gibt, dass Polen und die Ukraine den Zuschlag für die Ausrichtung der EM 2012 erhalten haben. Zwei Jahre später folgt die Bestätigung der Städte, in denen das Fußballevent ausgetragen werden soll. Im Sommer 2010 berichtet die Tierschutzorganisation PETA erstmals über Hundemorde in der Ukraine und kontaktiert die UEFA. Anlässlich des Fußballgroßereignissessollen vor allem die Straßen in den Austragungsorten wie Kiew und Lwiw gesäubert werden. Streunende Hunde werden gezielt vergiftet, erschossen und lebendig verbrannt.

    Die UEFA reagiert und nimmt mehrfach Kontakt zu ukrainischen Behörden auf. Der Fußballverband kritisiert das Vorgehen und weist die Schuld von sich: man habe „niemals gefordert (…), freilebende Tiere im Hinblick auf die Euro 2012 aus dem Straßenbild der Städte zu entfernen. Wir respektieren die Würde der Tiere und werden weiterhin an die Behörden appellieren, das auch zu tun.“ Zudem spendet die UEFA an die Tierschutzgesellschaft „Society for the Protection of Animals (SPA)“ und die lokale Organisation „SOS Animals Society Kiev.“

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    Zuckerberg deleted Facebook

    Was wäre,  wenn…
    … das reale Leben wie Facebook funktionierte?
    … Facebook das soziale Miteinander bestimmte?
    … diese digitale Realität kippt?

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    USA im Kampf gegen Cyberspionage

    Cyberspionage bedroht zunehmend Sicherheit und Wohlstand der USA. Ziel des Angriffs sind Wirtschaft und Industrie. Das geht aus dem neuen Bericht der US-Behörde für Gegenspionage (Office of the National Counterintelligence Executive). hervor. Die erwarteten Schäden der Jahre 2009 bis 2011 gehen in die Hundertmilliarden. Die Hauptgegner stammen aus Russland und China. Grund sind die hohen Investitionen in neue Technologien und die vermehrte Nutzung der digitalen Welt in Wirtschaft und Forschung.

    USA rüstet sich gegen Wirtschaftskriminalität im Internet (Bildquelle: wikicommons)

    Die Risiken des Cyberspace

    Die fortschreitende Digitalisierung wichtiger Forschungs- und Firmendokumente erleichtert den Datenklau. So ist es ausländischen Geheimdiensten und Spionen ein Leichtes, Daten abzuschöpfen. War der Spionageangriff früher mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden, kann die gesamte Datenmenge heute dank USB-Sticks und CDs komprimiert und schnell weiterverbreitet werden. Der größte Vorteil des Netzes ist die Anonymität. Täter gehen ein geringes Risiko ein, geschnappt zu werden.

    Schwachstelle in den Betrieben

    Neben Hacking, bei dem Sicherheitslücken in Betriebssystemen ausgemacht werden, bedienen sich Cyberdiebe heutzutage auch klassischer Mittel. Eine beliebte Angriffstechnik stellt das „Social Engineering“ dar. Die Täter versuchen das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen um darüber an diverse Zugangsrechte zu gelangen. Hauptproblem sind folglich bestechliche Mitarbeiter mit Zugangsrechten, die betriebsinterne Informationen an ausländische Geheimdienste verkaufen.

    Selten werden alle Mitarbeiter und Abteilungen in die digitalen Sicherheitsvorkehrungen ausreichend einbezogen. Gegenüber Kunden sind die Cyberangriffe ein Tabu-Thema. Sie sollen nicht verunsichert und abgeschreckt werden. Als Konsequenz Obama drängt auf die Einführung der Meldepflicht und um mehr staatliche Kontrolle, um derartige Hackerattacken abzuwehren. Die Lockerung des Datenschutzes und der Privatsphäre sind weitere mögliche Folgen. weiterlesen »

    Von Facebook zum Gesichtsbuch – Jeder weiß, was du letzten Sommer getan hast

    Wer nach dem 07. Juni Fotos auf Facebook hochladen wollte – und das sind bei 750 Millionen Usern (Stand August 2011) über 250 Millionen Bilder – stolperte unwillkürlich über Facebooks neustes Feature : Die Gesichtserkennung.

    Gesichtserkennung soll das Taggen auf Facebook erleichtern

    Die Gesichtserkennungs-Software "identifiziert" Gesichter

    Sie sollte eigentlich nur das Taggen auf Fotos vereinfachen. Doch die automatische Gesichtserkennung  wurde von vielen nicht als Hilfe, sondern als störend empfunden. Die Keyphrase „Facebook Gesichtserkennung deaktivieren“ erzielt bei Google fast 5 ½ Millionen Suchergebnisse.

    Ob hilfreiches Tool oder nervendes Feature- wer weiter denkt stößt unwillkürlich auf die Frage: Wie viel Anspruch auf mein eigenes Gesicht habe ich? Kann bald jeder anhand eines Schnappschusses von mir meine persönlichen Informationen einsehen?

     

    Identifikation mit Hilfe von Gesichtserkennung ist technisch möglich

    Technisch sei das bereits möglich, sagen die Forscher Alessandro Acquisti, Ralph Gross und Fred Stutzman. Die Wissenschaftler der Carnegie Mellon University haben jetzt mit Hilfe der Software pseudonyme Nutzer eines Flirtportals identifiziert. Ganz simpel, durch einen Abgleich mit Facebook-Profilfotos, ermittelten sie die echten Namen der User. Das Experiment der Forscher zeigt die einfache technische Umsetzbarkeit von Informationsbeschaffung mit Hilfe von Gesichtserkennung und rückt Augmented Reality-Zukunftsszenarien in greifbare Nähe. Schluss mit Pseudonymen, beschönigten Angaben und dem Schutz durch Anonymität.

    Experimente mit Gesichtserkennungs-Software: Augmented Reality rückt näher

    Die vorläufigen Forschungsergebnisse der Gesichtserkennungs-Experimente machen deutlich: Es ist nur eine Frage der Zeit, nicht der technischen Möglichkeit, bis Gesichtserkennung in unseren Alltag einzieht. In ihrem Experiment glichen Acquisti und Gross unter Pseudonymen geführte Flirtportal-Profile mit öffentlich zugänglichen Facebook-Profilen ab. Eine Standard-Gesichtserkennungssoftware untersuchte 5818 Profile von Mitgliedern einer Stadt in Nordamerika auf Übereinstimmungen. Zu 13,9 Prozent der Datingprofile fand die Software ein Facebook-Profil mit einem ähnlichen Portraitfoto. Um an die Profilbilder und Namen zu kommen, muss man nicht eingeloggt sein: Sie werden von Facebook immer als öffentlich behandelt und sind für jeden Internetnutzer zugänglich. Erstaunlich ist dabei, dass das vielen Facebook-Usern nicht bewusst ist. Nach der Studie von Acquisti und Co. benutzen 84% der Befragten ein echtes Foto von sich als Profilbild.

    Profilfotos auf Facebook sind öffentlich – perfekte Datenbank für Gesichtserkennungs-Software

    Unser Gesicht ist nicht nur Erkennungsmerkmal, sondern unmittelbarer Teil unserer Identität. Nicht nur im echten Leben sind alle Informationen über uns damit verknüpft – auch Informationen des Facebook-Profils sind untrennbar an unsere Gesichtszüge gebunden. Profile auf Social Media Plattformen sind Spiegel unserer Identität im Netz. Soziale Netzwerke, Beziehungen und mehr lassen sich abbilden, organisieren, verändern. Doch bisher konnten wir selbst entscheiden, wie viel wir preisgeben wollen und wer welche Informationen über uns hat. Der Chef bekommt eine andere Seite der Persönlichkeit zu sehen, als vielleicht der beste Freund – vorausgesetzt man weiß die Facebook-Privatsphäre-Einstellungen zu bedienen. Wir hatten die Wahl (und den Reiz), unser ‚wahres‘ Gesicht zu zeigen oder nicht.

    Augmented Reality ist das Aus für Anonymität

    Unsere Anonymität, sowohl auf offener Straße, als auch im Internet, wird immer mehr eingeschränkt wenn Online- und reale Welt zunehmend verschmelzen. Augmented Reality nennt sich die Vision einer online-gestützten, erweiterten Realität, in der Internet vollständig in den Alltag integriert ist. Online-Informationen sind jederzeit von jedem in Echtzeit abrufbar. Wann kommt die nächste Bahn und kann ich gleich ein Ticket kaufen? Welche gemeinsamen Freunde habe ich mit dem Menschen, der mir in der Bahn gegenübersitzt? Wie heißt das Gebäude an der Straßenecke und wer wohnt darin? Augmented Reality soll das Leben der Nutzer vereinfachen – und bietet dabei eine neue, extensive Plattform für B2C- und B2B-Kommunikation. Für Datenschützer ist diese rund-um-die-Uhr-Informationsflatrate ein rotes Tuch. Ein „gläserner Bürger“, der schon mit Hilfe einer einfachen iPhone-App jederzeit identifiziert werden könnte? Augmented Reality stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten – die Google Street View Debatte war ein Vorbote und lässt erahnen, auf welchen Widerstand Entwickler stoßen werden. “Die automatische Gesichtserkennung ist ein schwerer Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen”, sagt Hamburgs Landesdatenschützer Johannes Caspar.

    Augmented Reality mit Gesichtserkennung massentauglich gemacht

    Die Idee von Augmented Reality ist nicht neu und auch Gesichtserkennungs-Softwares werden bereits von Facebook, Apple und Google auf ihren Foto-Plattformen extensiv eingesetzt. Warum also jetzt die Studie?

    „Indeed, in recent times, Google has acquired Neven Vision, Riya, and PittPatt and deployed face recognition into Picasa. Apple has acquired Polar Rose, and deployed face recognition into iPhoto. Facebook has licensed Face.com to enable automated tagging. So far, however, these end-user Web 2.0 applications are limited in scope: They are constrained by, and within, the boundaries of the service in which they are deployed. Our focus, however, was on examining whether the convergence of publicly available Web 2.0 data, cheap cloud computing, data mining, and off-the-shelf face recognition is bringing us closer to a world where anyone may run face recognition on anyone else, online and offline – and then infer additional, sensitive data about the target subject, starting merely from one anonymous piece of information about her: the face.”

    Augmented Reality UND angemessener Datenschutz – geht das?

    Die Forscher arbeiten momentan an einer Smartphone-App, die zu einem aufgenommenen Foto Informationen aus dem Web liefert. Die Online-Riesen sind mit ihren Zukäufen im Bereich Gesichtserkennungs-Software bestens ausgerüstet. Wir steuern schnellen Schrittes auf eine erweiterte Realität zu – so weit, dass jeder sofort alles über uns herausfinden kann. Nicht nur für Datenschützer ist das eine beängstigende Vorstellung. Natürlich ist niemand gezwungen, online Informationen preiszugeben. Nüchtern betrachtet ist es heutzutage und in Zukunft aber unrealistisch, ausschließlich offline unterwegs zu sein. Wie können wir uns also schützen? Im Netz kursieren bereits Schminktipps, die die Gesichtszüge anders erscheinen lassen sollen; es wird dazu geraten, das Profilbild leicht zu verzerren um den Algorithmus der Software auszutricksen; besorgte Mütter rufen zum Facebook-Boykott auf. Von begründeten Bedenken ist es im Netz – dem Schneeballeffekt sei Dank –ein kurzer Weg zur Paranoia-artige Panikmache. Die Wissenschaftler sagen: Umkehren geht nicht. Vielmehr muss nun nach neuen Lösungen gesucht werden.

    „There is no obvious answer and solution to the privacy concerns raised by widely available face recognition and identified (or identifiable) facial images.

    Other than adapting to a world where every stranger in the street could predict quite accurately sensitive information about you […], we need to think about policy solutions that can balance the benefits and risks of peer-based face recognition.“

     

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    Von Annika Sickinger

    Von Pseudonymen und der Frage nach der Anonymität im Netz

    Die Diskussion am schmalen Grat zwischen Sicherheit im Netz und Schutz der Meinungsfreiheit war noch nie einfach. Nach den Attentaten in Norwegen ist sie jetzt wieder neu entflammt. Bundesinnenminister Friedrich fordert eine Klarnamenpflicht und damit ein klares Aus für Anonymität im Internet. „In der demokratischen Auseinandersetzung streiten wir mit offenem Visier auf Basis unserer verfassungsmäßigen Spielregeln. Warum sollte das im Internet anders sein?“, fragte der CSU-Politiker in einem Interview mit dem „Spiegel“.

    Heftige Reaktionen auf Forderung nach Pseudonym-Verbot

    Friedrich stößt mit seiner Forderung auf massive Ablehnung, sowohl in der Blogosphäre als auch unter seinen Politiker-Kollegen. Die Grünen finden den Vorschlag „naiv“, die SPD sieht ihn als „Ausdruck von Hilflosigkeit“ und sogar der Koalitionspartner FDP bezeichnet ihn als „völlig illusorisch“.

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    Das wäre fantastisch! Der deutsche Überwachungsstaat müsste nicht nach den Urhebern missliebiger Meinungen suchen, sondern könnte sie sofort abstrafen lassen.
    Wer durch kritische Kommentare auffällt, wird durch den Arbeitgeber gefeuert. So könnte man kritische Meinungen im Keim ersticken.

    Das wäre auch ganz im Sinne der Sachsen-CDU, die ungestraft Millionen Handydaten von Bürgern auswertet, welche offen an einer Demonstration gegen die NPD teilnahmen.

    Doch halt, war da nicht schon was? Das Telemediengesetz sieht die Nennung des Namens bei ‚öffentlich zugänglichen journalistischen oder redaktionellen Publikationen‘ vor. Nichts anderes also, als die Klarnamenpflicht unter einem Pseudonym. Die Impressumspflicht gilt für Journalisten und in den meisten Fällen auch für Blogger. Wenn das kein ‚offenes Visier‘ ist…

    Pseudonym-Verbot auf Google+

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    "Your profile is suspended." Pseudonym-Profile wurden kurzerhand gesperrt.

    "Your profile is suspended." Pseudonym-Profile wurden kurzerhand gesperrt.

    Google+ verursachte diesbezüglich vor einigen Wochen den ersten mittelgroßen Skandal seiner Geschichte: Ohne Vorankündigung wurden alle Profile gelöscht, die unter einem Pseudonym erstellt wurden. Ein Aufschrei ging durch die Blogosphäre und Google+ beeilte sich, die Vorgehensweise zu ändern. Man kann zwar nur unter Angabe des echten Namens ein Profil erstellen, aber auch die Verwendung von Pseudonymen ist jetzt, wenn auch nur begrenzt, möglich. weiterlesen »