Big Data & PR: Was steckt hinter dem Buzzword?

Big Data_Fotolia_85512253_S_neu

„Big Data ist wie Sex unter Teenagern: alle sprechen davon, niemand weiß genau wie‘s geht, jeder glaubt, dass es alle anderen tun, also behauptet auch jeder, dass er es tut…“. Mit diesen bissigen Worten bringt der US-amerikanische Psychologe und Verhaltensökonom Dan Ariely provokant und perfekt auf den Punkt, was das Problem beim Big Data-Hype ist: Unwissen und Wichtigtuerei.

Ähnlich sehen dann auch viele Artikel zu dem Thema aus. Meistens sind sie so allgemein gehalten, dass unklar ist, ob der Autor sich tatsächlich mit Big Data auskennt oder einfach nur etwas zu dem Thema sagen will. Beliebt sind besonders Phrasen zu den großen Chancen, die Big Data bietet, und zum immensen Potenzial, seine Kunden endlich richtig kennenzulernen. Punkt, das war es dann an Erleuchtung. Woher die Erkenntnisse aber gewonnen werden sollen, bleibt oft genauso undeutlich wie der konkrete Nutzen.

Wissen, nicht glauben

Dass es sich bei Big Data um riesige Datenmengen handelt, dürfte den meisten geläufig sein. Auch, dass Big Data meistens über drei bis vier Vs (Volume, Variety, Velocity & Veracity) definiert wird. Aber was steckt dahinter, vor allem für die PR? Im Grunde lässt sich Big Data auf eine Frage reduzieren: Welche Aussage kann ich mit den Daten, die mir zur Verfügung stehen, über Ereignisse in der Zukunft treffen? Damit steht Big Data in direkter Konkurrenz zum Bauchgefühl in der PR, das auf Erfahrung und Intuition beruht. Aber: Datenanalyse ist bei weitem zuverlässiger.

Dabei ist Big Data auf keinen Fall der Tod der Kreativität. Viel mehr ist Big Data die Chance, kreative Ideen zu testen und an den Mann und die Frau zu bringen. Stellen wir uns mal einen fiktiven Pitch vor. Zwei PR-Agenturen haben dieselbe Idee und wollen ein virales Video produzieren. PR-Agentur 1 erklärt: „Wir glauben, das funktioniert. Wir verlassen uns da auf unser Gefühl und unsere Erfahrung“. PR-Agentur 2 argumentiert: „Wir haben die letzten 100 viralen Videos analysiert. Faktoren, die eine Rolle spielten, waren x, y, z… Wenn wir unser Konzept darauf aufbauen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das Video durch die Decke geht“. Welche Agentur wird wohl gewinnen? Zugegeben, ein stark überspitztes Beispiel, aber hier wird deutlich: Die Chance von Big Data für die PR liegt im Wissen und nicht im Glauben.

Kernkompetenzen der Agenturen sind gefragt

An dieser Stelle sind die Kernkompetenzen von PR-Agenturen gefragt: Kreativität und Pragmatismus. Zunächst müssen Agenturen überlegen, in welchen Bereichen der PR-Arbeit Big Data integriert werden kann. Im zweiten Schritt müssen sie abwägen, wo Vorhersagen mit Big Data sinnvoll sind. Das funktioniert überall dort, wo es viele ähnliche, sprich vergleichbare Fälle gibt. Das können Pressemitteilungen von deutschen Mittelständlern oder Tweets von regionalen Radiosendern sein. Aus vielen Fällen lassen sich Wahrscheinlichkeiten für zukünftige Ereignisse errechnen. Dieses Wissen spart Ressourcen und optimiert gleichzeitig Ergebnisse.

Big Data ist sicher keine Allzweckwaffe (auch wenn das in zahlreichen Artikeln vermittelt wird) und kein Ersatz für Kreativität und Erfahrung in der PR-Arbeit. Künftig wird vielmehr derjenige die Nase vorne haben, der seine Entscheidungen, Taktiken und Strategien auf Basis aller Faktoren trifft, die ihm zur Verfügung stehen – und damit Wissen und Erfahrung in Einklang bringt.

Nach dieser Einführung räumt unser Autor in Teil 2 unserer dreiteiligen Artikelserie zum Thema Big Data mit beliebten Mythen auf und gibt in Teil 3 einen Ausblick auf konkrete Anwendungen.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Über Michael Söhn

Michael Söhn ist seit Oktober 2014 Werkstudent bei consense communications. Der Student der Kommunikationswissenschaft an der LMU München ist leidenschaftlicher Musiker und schreibt auf Netz-Reputation vor allem über Social Media Trends und Kampagnen. Seine Bachelor-Arbeit hat er in Zusammenarbeit mit consense zum Thema "Big Data als Chance für PR Agenturen" verfasst.
Artikel weiterempfehlen

Wie ist Ihre Meinung zu unserem Artikel?