Pinterest: Großes Potential für Marketing und E-Commerce

Seit Ende letzten Jahres verblüfft das soziale Netzwerk Pinterest mit einem der schnellsten Aufstiege der Social-Media-Geschichte. Zwischen Januar und Februar konnte ein Nutzerzuwachs von 50 Prozent verzeichnet werden. Seit Anfang April ist Pinterest mit über zehn Millionen Nutzern weltweit das drittgrößte soziale Netzwerk nach Facebook und Twitter. Bereits im Februar hatten wir von dem spannenden neuen Start-Up Unternehmen und seinen Möglichkeiten der Monetarisierung auf Netz-Reputation berichtet. In der Zwischenzeit hat sich Pinterest vom belächelten neuen Social-Media-Hype zu einer ernstzunehmenden Plattform für Unternehmen entwickelt.

Goldgräberstimmung im E-Commerce

Pinterest gibt Unternehmen die Möglichkeit, ein Profil zu erstellen und auf diese Weise mit  der Zielgruppe in Kontakt zu treten. In Kombination mit der Plattform-Mechanik (Fotos veröffentlichen und im Freundes- und Bekanntenkreis teilen) liefern die Aktivitäten der User großes Potential für Marketing und E-Commerce:

Wenn dem Nutzer seine neueste Errungenschaft gefällt, kann er Bilder davon auf seine Pinnwand pinnen und die Produkte anderen Nutzern empfehlen. Die Bilder können von den Nutzern mit sogenannten „affiliate-links“ versehen werden. Diese Links führen beim Anklicken des Bildes zu einem Online-Shop, wo das Produkt gekauft werden kann. Der Nutzer, der das Bild hochgeladen und verlinkt hat, erhält eine kleine Provision, wenn jemand das Produkt aufgrund des affiliate-links gekauft hat.

Grafik von Mo Marshall, Venturebeat

Nutzer fühlen sich durch die Kaufempfehlungen anderer Nutzer nicht im klassischen Sinn „beworben“. Sie vertrauen dem Gegenüber, weil er mit ihnen auf der gleichen Stufe steht: Er ist der Konsument, der etwas aus seiner Sicht Empfehlenswertes gefunden hat. Dieses klassische Empfehlungsmarketing funktioniert ganz ohne die Aufforderung durch das Unternehmen und ist gerade deshalb so erfolgreich. Statistiken auf venturebeat.com belegen den Erfolg der Plattform: Die Kaufbereitschaft der Pinterest-Nutzer liegt deutlich über der der Facebook- oder Twitter-Nutzer.

Aber wie können Unternehmen das Empfehlungsmarketing-Potential für sich nutzen, ohne die authentische Weiterempfehlung und damit den Erfolg negativ zu beeinflussen? Hier ist Fingerspitzengefühl angesagt. Unternehmen sollten auf keinen Fall Nutzer auffordern, Produkte zu empfehlen. Sie können sie aber mit schönen Bildern von Produkten oder dem Unternehmen dazu animieren, diese mit anderen Nutzern zu teilen. Opel ist ein gutes Beispiel dafür, wie das in der Praxis umgesetzt werden kann.

Pinterest-Auftritt von Opel

Auch ist es ratsam, sehr aktiven Nutzern auf Pinterest zu folgen und deren Beiträge zu kommentieren. Dadurch macht man als Unternehmen auf sich aufmerksam. Eine weitere Möglichkeit: Unternehmen können Nutzern, die ein Produkt des Unternehmens bereits empfohlen haben, neue Produkte zum Test zuschicken. Wichtig dabei ist jedoch, dass man den Nutzer weder von oben herab anspricht, noch ihm etwas „aufschwatzen“ will oder ihn mit Gegenleistungen zu einer Empfehlung drängt.

Der Fluch der Spammer: Bilder über Bilder

Die Mechanik von Pinterest ist zugleich Segen und Fluch. Findige Programmierer laden tausende Bilder hoch. Da es für jedes Produkt, was über ein hochgestelltes Bild gekauft wird, Provision gibt, verdient sich ein fleißiger Spammer eine goldene Nase. Gerüchteweise bis zu 1.000 Dollar pro Tag. Dies muss im Auge behalten werden, da es den ursprünglichen Charme des Netzwerks beschädigen könnte. Pinterest hat inzwischen angefangen, die Accounts, die offensichtlich von Spammern betrieben werden, zu sperren.

Nächster Übernahmekandidat der Web-Giganten?

Nach dem Fotodienst Instagram und dem Coupon-Anbieter Tactile könnte Pinterest die nächste Investition von Facebook sein. Seit kurzem gibt es die Facebook-App PinView, die Facebook wie Pinterest aussehen lässt: Die Grundidee scheint also gut bei Marc Zuckerberg und Co. anzukommen. David Lawee, Vizepräsident von Google hat bereits Interesse an der Plattform geäußert. Für Suchmaschinen ist Pinterest besonders interessant, da sie durch die hohe Aktivität der Nutzer neue Einblicke in ihre Gewohnheiten und Vorlieben erhalten. Mit diesem neuen Wissen können Suchmaschinen Suchergebnisse und vor allem Werbung noch passgenauer anzeigen.

Zusätzlich würden Suchmaschinen mit Pinterest eine soziale Komponente erhalten. Denn Werbeanzeigen auf Suchmaschinen basieren bisher auf rein mathematischen Logarithmen und nicht auf persönlichen Empfehlungen.

Der große Hype ist vorbei?

Die neuesten Nutzerzahlen von Pinterest verzeichnen ein schwindendes Interesse an der Plattform. Ob es sich hierbei um eine Trendwende handelt ist schwer zu sagen, noch ist das Start-Up-Unternehmen in aller Munde und könnte aufgekauft werden. Genauso könnte sich aber in ein paar Monaten alles in Rauch aufgelöst haben.

Es bleibt also spannend um Pinterest.

 

Über Julian Maisch

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