Online Reputationsmanagement über den Tod hinaus

Passend zum Fest der Auferstehung haben wir uns die Frage gestellt, was nach dem Tod mit unseren Online-Accounts passiert. Sind wir unsterblich im World Wide Web?

850 Millionen registrierte Facebook-Mitglieder,  mehr als 10 Millionen World of Warcraft User, 16 Millionen aktive Ebay Mitglieder allein in Deutschland. 137 Minuten verbringt der Durchschnittsdeutsche (ard-zdf-onlinestudie 2011) täglich im Internet. Es gibt kaum jemanden, der nicht mindestens in einem Social Network unterwegs ist, einen Email-Account hat oder bei Pay-Pal  zum Online Shopping angemeldet ist.

Was zu Lebzeiten gar nicht auffällt, wird nach dem Tod zur Herausforderung: Anders als bei realem Besitz sind all diese Profile und Konten nämlich nicht greifbar. Für Hinterbliebene gibt es keine zentrale Anlaufstelle, die Auskunft gibt, wo der Verstorbene angemeldet war. Wichtig wird dies zum Beispiel bei kostenpflichtigen Konten und weltweiten Bekanntschaften, die unter normalen Umständen nicht vom Tod in Kenntnis gesetzt werden würden. Trauernde haben meist nicht die Zeit und die Muße sich diesem Thema zu widmen. Versuchen Sie es doch, geht der Wahnsinn erst los: Wo muss man sich melden? Wer kann Accounts löschen lassen? Wie lauten die Passwörter?

Starseite Legacy LockerFindige Unternehmer aus den USA haben diese Problematik erkannt und die Marktlücke mit eigenen Start-Ups geschlossen: LegacyLocker und VitalLock bieten die sichere Verwaltung von Email Passwörtern und Community Zugangsdaten über den Tod hinaus an. Der Nutzer soll einmalig bis zu 300 Dollar zahlen, um lebenslang sicherzustellen, dass seine Online Zugänge auch post-mortem in die richtigen Hände gelangen.

Wie es funktioniert

Nachdem der Nutzer sich registriert und die wichtigen Zugangsdaten hinterlegt hat, bekommt er in regelmäßigen Abständen elektronische Post von den Unternehmen, auf die er kurz reagieren muss. Erfolgt das auch nach mehrmaligem Nachfassen nicht, schließt das System daraus, dass der Kunde verstorben oder zumindest anderweitig verhindert ist. Festgelegte Personen werden kontaktiert und müssen den Tod bestätigen.  Daraufhin werden automatisch die Schritte eingeleitet, die der Verstorbene als „letzten Willen“ festgelegt hat:  Entweder werden Konten gelöscht oder aber die Zugangsdaten an festgelegte Personen versendet. Außerdem kann eine Abschiedsmail oder ein letzter Post im Namen des Verstorbenen verschickt werden.

Um immer die aktuellsten Passwörter zu haben, versucht das System automatisch sich regelmäßig einzuloggen. Gelingt das nicht, wird der Kunde kontaktiert und an ein Passwort Update erinnert. Das ist zwar zeitaufwendig für den Nutzer, aber nötig, um auch nach einigen Jahren noch gewährleisten zu können, dass die versendeten Zugangsdaten im Ernstfall funktionieren. Die Unternehmen verweisen auf strenge Geheimhaltungs- und Datenschutzrichtlinien.

Nachfrage vorhanden?

Gibt es wirklich eine Nachfrage nach diesen Diensten? Dass die Passwortverwaltung für unzählige Kundenkonten, Profile und Mailkonten schwer zu verwalten und noch schwerer weiterzugeben ist, darüber sind wir uns in der Agentur einig. Müssen wir uns aber über unsere Online-Reputation nach dem Tod wirklich Gedanken machen? Muss ein Post aus dem Jenseits alle vom eigenen Ableben in Kenntnis setzen? Der weltweit sichtbare Post sei nur eine logische Erweiterung der Todesanzeige, die seit Generationen in regionalen Zeitungen erscheint, meinen Befürworter.  Egal, welche Meinung man zu diesen Diensten hat:  Sie machen deutlich, welchen Einfluss das Internet mittlerweile auf unser Leben und sogar noch darüber hinaus hat.

Über Eva-Maria Umlauft

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