Witzigkeit kennt Grenzen, Bayern kein Pardon mit Fans (UPDATE)
Der FC Bayern München erntete heute einen Shitstorm aller erster Güte. Der Rekordmeister ließ am frühen Nachmittag über Kicker und Co. verlauten, dass man in Kürze eine Neuverpflichtung präsentiere. Auf Facebook lief eine exklusive Pressekonferenz. Diese entpuppte sich aber als PR-Gag. Sie sollte die Social Media Auftritte der Münchner pushen, schadet nun aber der Online Reputation. Die Aktion fliegt den Verantwortlichen gehörig um die Ohren.
Bayern wenig meisterlich
Aber der Reihe nach: Zum Rückrundenauftakt sprach Trainer Jupp Heynckes noch von der “besten Vorbereitung” seiner Karriere. Am letzten Freitag setzte es dann im ersten Spiel eine herbe 1:3-Klatsche in Gladbach. Die Mannschaft präsentierte sich ideenlos und blutleer. Neuverpflichtungen hatte es in der Winterpause nicht gegeben. Als heute die Nachricht aus der Säbener Straße kam, man würde nun doch nachlegen, schien das nicht nur realistisch, sondern auch notwendig. Vorab war die Rede von einem großen “Stürmerstar, der in allen Mannschaften Europas spielen könne”. Berichte fanden sich u.a. auf Kicker und transfermarkt.de, wurden aber mittlerweile gelöscht.
Zur Not auch Hanke
Bereits eine halbe Stunde vor der PK war #FCB Trending Topic auf Twitter. Die Fans diskutierten, um wen es sich handeln könnte: Tevez, Berbatov, Neymar wurden hochgehandelt, die Aufregung unter den Bayern-Fans war groß. Auch international wurde der plötzliche Einkauf registriert und gerätselt. Doch dann mischten sich erste Gerüchte, das ganze sei nur ein PR-Gag unters Twitter-Volk. Wer also Gewissheit wollte, musste die Fanpage der Bayern liken, um der Pressekonferenz beiwohnen zu können.
Server bricht zusammen wie Neuers Aufbauspiel
Soweit ok und nachvollziehbar. Darüber hinaus musste man aber noch eine App bestätigen (samt Zugriff auf persönliche Daten), was mich schon etwas stutzig machte. Die PK hätte man hinter einem simplen Fan-Gate als Livestream verstecken können. Die ganze Präsentation fühlte sich sowieso falsch an – Neuzugänge werden bei Bayern anders vorgestellt. Außerdem, wie sollte ein Transfer der kolportierten Größenordnung bisher geheimgehalten worden sein? Die App präsentierte dann einen Countdown zur PK. Um 14 Uhr tat sich dann – nichts. Der Server war unter dem Andrang zusammengebrochen und das Video für die meisten Fans gar nicht live abrufbar.
Shitstorm incoming
Nach kurzem Warten sah ich das Video, das offenstichtlich nicht live war, dann doch. Bayern-Kapitän Lahm, Sportdirektor Nerlinger und der Pressechef saßen auf dem Podium. Sie redeten darüber, wie froh sie über die Neuverpflichtung sind. Nerlinger präsentierte dann als Unglückshasi ein Foto des Neuzugangs: Jeder, der die “PK” auf Facebook verfolgte, sah sein eigenes Profilbild. Pustekuchen mit dem Transferknaller. Was ich in dem Moment minder lustig fand, traf bei den Bayern-Fans auf einen offenen Nerv.
“Ein kleiner Spaß…”
Die Wut des Bazi-Anhangs entlud sich auf der FB-Pinnwand: Insgesamt rund 10.000 Kommentare erstrecken sich auf mehrere Status-Updates. Eine dürftige Stellungnahme findet sich auch:
Liebe Fans, ihr habt es natürlich alle schon längst gemerkt. Das Video von der PK war natürlich nicht ganz ernst gemeint, sondern ist ein kleiner Spaß für unsere Fans auf Facebook, bei dem der Fan im Mittelpunkt steht. Weitere Clips werden in den kommenden Wochen folgen http://on.fb.me/THENEWFCBSTAR //
Was den Verantwortlichen ein “kleiner Spaß” war, kostet sie jetzt doppelt und dreifach: Die Fans überschlagen sich mit Beleidigungen, Rufe nach Rücktritten Nerlingers gehören noch zu den humaneren Reaktionen.
“Nerlinger raus!”
Der FCB übt sich in Ignoranz. Keine weitere Reaktion auf die Beschwerden, keine Entschuldigung. Das wird ganz bayrisch ausgesessen. Dabei hätte man wenigstens die Entrüstung der Fans zur Kenntnis nehmen können. Selbst wenn man nicht doch noch eine Neuverpflichtung in der Hinterhand hat. Stattdessen wird ein generisches Update zum heutigen Training gepostet. Gefundenes Fressen für die angefixten Fans: In den Kommentaren wird spekuliert, ob wirklich trainiert wurde oder das auch nur ein PR-Gag sei. Die Ergebnisse ließen so etwas ja vermuten.
Felix kann’s besser…
Die Promotion des neuen Tools geht völlig unter. Die App soll wohl in Zukunft Videos zum Geschehen im Verein präsentieren. Dazu hätte man aber auch einfach fcbayern.tv ausweiten können. Wie gut Social Media und Fußball zusammen funktionieren können, haben wir schon mehrfach dokumentiert:
- Ex-Fußballnationalspieler findet neuen Verein dank YouTube
- Social Media Marketing bei der Frauenfußball WM
- Social Media und Fußball: Wer hat Meisterformat?
- Felix Magath auf Facebook
Update vom 27.01.
Gestern Abend gab’s dann doch noch ein weiteres Statement vom Verein:
Sorry liebe Fans,
wie wir Euren zahlreichen Kommentaren entnehmen, seid ihr über die heutige Aktion sehr verärgert.Es war nicht unsere Absicht, Euch mit der neuen App zu enttäuschen. Vielmehr wollten wir Euch mit dieser Aktion in den Mittelpunkt stellen und dadurch zeigen, wie wichtig jeder Fan für den FC Bayern München ist. In mehreren folgenden Videoclips auf der App soll der Fan Teil der Mannschaft werden, indem z.B. der Nachname des Fans auf dem Trikot zu sehen ist und der Fan in den Medien als Star dargestellt wird. Diese persönlichen Videos sollen Euch und Euren Freunden Spaß und Freude bereiten.
Mittlerweile haben mehr als 10.000 Fans das Statement geliked. Aber in den 3.500 Kommentaren überwiegt weiterhin der Unmut. Besonders die sportliche Leistung wird kritisiert, die Aktion von gestern dient da natürlich hervorragend als Ventil. Die einfachste Methode die Kritiker zum Verstummen zu bringen, sind drei Punkte morgen gegen Wolfsburg. Getreu dem alten Motto: Entscheidend ist auf’m Platz.
Von Sebastian Kahl
