Über Nacht zum Star – Social Media Fame für jeden
Social Media, insbesondere YouTube, verhilft immer häufiger scheinbar talentfreien Usern zu ihren 15 Minuten Ruhm. Eine Reihe von “Künstlern” hat das bereits bewiesen. Derzeit macht ein Video die Runde: Rebecca Black mit ihrem Song “Friday”. Mehr als 40 Millionen Klicks hat die 13-Jährige Schülerin aus Los Angeles in knapp 2 Wochen erhalten. Wir haben uns angeschaut was diese neue Popsensation ausmacht und wollen den Mechanismus zeigen, der hinter solchen Phänomenen steckt.
“In the future everybody will be famous for fifteen minutes.” – Andy Warhol
Social Media Fame aus der Konserve
In den USA können reiche Eltern ihren Kindern alles kaufen, mittlerweile auch die Pop-Karriere. $2.000 ließen sich die Eltern von Rebecca Black aus Los Angeles die erste Single ihrer Tochter kosten. Oben drauf gab es außerdem ein Musikvideo. Produziert wurde das Ganze vom Plattenstudio Ark Music Factory. Die Macher wiesen die Familie Black darauf hin, dass ihre Tochter mit dem Song “Friday” höchstwahrscheinlich nicht berühmt werden würde. Tatsächlich freute sich das Mädchen über 4.000 Views auf YouTube in den ersten Tagen, zumindest auf der Schule hatte jeder das Video gesehen:
Doch dann entwickelte sich Rebecca Black zum Internet-Phänomen. Was war passiert? Nachdem das Video einige Wochen von der Internetgemeinschaft unbeachtet auf YouTube verbrachte, wurde der Blog TheDailyWhat am 11. März (ein Freitag!) darauf aufmerksam. Daniel Tosh von Comedy Central griff die Meldung auf. Alleine auf Toshs Blog finden sich fast 4.000 Kommentare. Das Video erreichte noch am selben Tag 100.000 Views. Zwei Wochen später steht das Video nun bei über 40 Millionen Aufrufen.*
Social Media Fame: Segen oder Fluch?
40 Millionen Aufrufe, aber fast ausschließlich negatives Feedback: Zu den 500.000 Dislikes gesellen sich abertausende Kommentare in denen der Song und das Video schlecht gemacht und Rebecca beleidigt wird. Wer die Internetgemeinschaft in solchen Situationen kennt, weiß, dass das nicht zimperlich vonstatten geht. Doch warum? Rebeccas dünne Stimme wird mit Auto-Tune überladen, die Lyrics sind mitunter abenteuerlich:
Yesterday was Thursday, Thursday, today it is Friday
We, we, we so excited, we so excited [...]
Tomorrow is Saturday, and Sunday comes afterwards
Der Song ist aber nicht schlechter als viele x-beliebige semi-professionelle Videos, die sich auf YouTube finden lassen. Die Gretchenfrage ist also: Wird sie gehasst, weil sie “berühmt” ist? Oder ist sie “berühmt”, weil sie gehasst wird? Die Produktionsfirma hat Rebecca angeboten, dass Video von YouTube rutner zu nehmen. Sie lehnte ab, diese Genugtuung wollte sie ihren “Hatern” nicht verschaffen. Die Single, seit letzter Woche bei iTunes erhältlich, schaffte es bereits auf Platz 72 der Billboard Hot 100 Charts. Mittlerweile ist sie auch über das Internet hinaus bekannt. Mehrere Fernsehsender in den USA interviewten sie bereits zu ihrem Song.
Social Media Fame auf Deutsch: Money Boy
Auch im deutschsprachigen Raum funktioniert das Prinzip, wenn auch bedeutend langsamer. Bestes Beispiel ist hierfür der Wiener Rapper Money Boy. Der 29-Jährige stellte vor knapp einem halben Jahr das Video zu seinem Song “Dreh den Swag auf” online. Seither wurde der Clip fast 9 Millionen mal angeklickt:
Die Hip Hop Gemeinde ist noch unsicher, ob Money Boy das wirklich ernst meint. Gut möglich das Sebastian Meisinger sein talentfreies Alter Ego Money Boy als Persiflage auf die Hip Hop Szene angelegt hat. Viele Hip Hop Songs handeln nur von Autos, Frauen und Geld, Money Boy treibt das in seinen Texten auf die Spitze.
Das Prinzip des Social Media Phänomens
Auch Money Boys Video verbreitete sich wie ein Lauffeuer und zeigt sehr schön die Mechanismen, die hinter einem solchen Internet-Phänomen stecken. Hip Hop Fans teilten das Video untereinander, einfach weil Money Boy so herrlich talentfrei daherkommt. Große Multiplikatoren, etablierte Rapper, die das Video twitterten, trieben es weiter voran. Durch den (unfreiwillig) lustigen Aspekt schauten es sich bald auch Leute an, die sonst keinen Hip Hop hören. Über Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter oder diverse Foren verselbständigte sich die Verbreitung, das Video wurde “viral”. Ist einmal eine kritische Masse erreicht, werden auch etablierte Medien auf diese Phänomene aufmerksam. RTL etwa berichtete mehrfach über Money Boy, auch bei MTV Home war er zu Gast. Bald darauf unterschrieb er einen Plattendeal bei Sony und tritt nun regelmäßig live auf.
Wie nachhaltig der Erfolg von Money Boy oder Rebecca Black sein wird ist schwer abzuschätzen. Das man es allerdings (wenn man denn Talent hat) durch Social Media bis an die Chart-Spitze schaffen kann, hat Justin Bieber gezeigt. Der 17-Jährige startete seine Karriere mit selbstgedrehten Videos auf YouTube und veröffentlichte letztes Jahr sein erstes Nummer-1 Album in den USA.
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Von Sebastian Kahl
*Das Original-Video ist auf Grund von Urheberrechtsproblemen in Deutschland eigentlich gesperrt, lässt sich aber trotzdem auf einigen Geräten abspielen. Das oben verlinkte Video entspricht dem Original-Video 1 zu 1.





[...] auch als viral hit angesehen werden, wenn es die User teilen, gerade weil es schlecht ist (siehe Rebecca Black). Aber was Old Spice da macht ist traurig. Erinnert ihr euch an die großartigen Old Spice Videos [...]