Negative Campaigning: Eine Partei steht im (Online-)Walde

Heute haben wir mal wieder einen Artikel aus der Rubrik „so wie man es nicht macht!“. Derzeit kursiert auf YouTube ein virales Video der Marke Negative Campaigning. Unsere bayerische Volkspartei, die CSU, hat sich gedacht, ein bisschen amerikanische Wahlkampfkultur täte Deutschland gut. Vielleicht hat sie sich aber auch gedacht, was die SPD kann, können wir schon lange. Man weiß es nicht. Eigentlich wollte die CSU nur ihrem neuen Gegner Nummer eins ein wenig das Image der „Dagegen-Partei“ anheften. Auf die Melodie von „Ein Männlein steht im Walde“ dichteten die Christsozialen den Text „Ein Männlein steht im Walde ganz grün und dumm“. Soweit so schlecht.

Negative Campaigning – Was ist das?

Negative Campaigning ist ein Phänomen, das in der amerikanischen politischen Kultur seit langem bekannt und akzeptiert ist. Man versucht, seinem politischen Gegner möglichst belastende Dinge anzuhängen, ob über Wahlkampfreden, Internetvideos, Mundpropaganda oder ganze Kampagnen. Auch in Deutschland bediente sich die SPD bereits dem Negative Campaigning zur Europawahl 2009 mit dem Slogan „Finanzhaie würden FDP wählen“. Das Negative Campaigning der Sozialdemokraten sorgte damals zwar auch für einiges Aufsehen, politische Früchte trug die Aktion kaum. Zumindest hat die Kampagne der FDP nicht wirklich geschadet.

Wie Negative Campaigning nach hinten losgehen kann

Bei dem viralen Spot der CSU allerdings kommen einige Faktoren zusammen, die das Negative Campaigning zum absoluten Flop für die CSU machen. Zum einen befinden sich die Grünen gerade in einer politischen Hochphase mit gläzenden Umfragewerten. Gerade mit ihrer „Wir-sind-dagegen“-Attitude haben sie 2010 den Nerv der Bürger getroffen. Man denke nur an Stuttgart 21. Auf der Gegenseite war die CSU auch schon populärer. Man denke nur an das bayerische Rauchergesetz oder die – für CSU-Verhältnisse – unterirdischen Umfragewerte. Dazu ist die Botschaft der CSU einfach zu plump. Die Einblendung des CSU-Logos am Ende des Spots wirkt süffisant bis geifernd. Der größte Fehler der CSU allerdings war, auf Youtube die Kommentarfunktion zu deaktivieren. In Zeiten des Social Web kommt das bei den Usern gar nicht gut an. Die Folge: Es hagelte „Dislikes“ für das Negative Campaigning – die vermeintliche Höchststrafe im Netz.

Aus Negative Campaigning mach Positive Campaining

Zu guter Letzt haben es die Grünen meisterlich verstanden, das Schmähvideo in Eigenwerbung umzumünzen. Geradezu nonchalent wirkte Grünen-Chefin Claudia Roths Fassung des Liedes auf der Parteiklausur in Weimar an der Seite von Jürgen Trittin. Nur ein bisschen Selbstironie reichte den Grünen, um absolut keinen Schaden aus dem Negative Campaigning der CSU mitzunehmen. Verbreitet hat es sich trotzdem, vielleicht besser als es die CSU vermutet hätte. Knapp 75.000 Klicks in drei Tagen ist eine respektable Verbreitungsquote. Besser funktioniert hätte das Negative Campaigning wahrscheinlich, wenn man das CSU-Logo weggelassen, es anonym ins Netz gestellt und vor allem eine Diskussion über das Video zugelassen hätte. Also, liebe CSU: better luck next time!

Was ist eure Meinung dazu? Hat sich die CSU mit ihrem Negative Campaigning selbst ins Knie geschossen? Kommentare erwünscht!

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