Kampf um Stuttgart 21 tobt auch im Internet: Wie Befürworter und Gegner Social Media nutzen

Seit Wochen gehen Tausende auf die Straße, um für oder gegen das Großprojekt Stuttgart 21 zu demonstrieren. Aber nicht nur dort tobt der Kampf um den Bahnhofsumbau, auch im Internet wird heftig diskutiert. Die Social Media Kanäle sind voll mit Stuttgart 21. Zehntausende bekunden emotionsgeladen auf Facebook ihre Zu- oder Abneigung. Wenn es in Stuttgart gerade hochhergeht, kommt auch Twitter in Fahrt. Anschließend lassen sich die Geschehnisse auf YouTube nachverfolgen. Social Media spielt im Kampf um Stuttgart 21 eine wichtige Rolle. Das zeigt auch ein Blick auf die Ausschreitungen vom 30. September.

Stuttgart 21 in Social Media heiß diskutiert

Die Diskussion im Internet tobt auf allen Social Media Kanälen. Es gibt Dutzende Pro und Contra Gruppen auf Facebook. „FÜR Stuttgart 21″ ist mit knapp 58.000 Mitgliedern die größte, dicht gefolgt von „KEIN Stuttgart 21″ mit rund 49.000 Mitgliedern. Befürworter und Gegner posten im Minutentakt News und Meinungen zum Projekt. Sie kommentieren seitenlang Fotos von den Demonstrationen, streiten über deren Auslegung. Twitter explodierte quasi während der Ausschreitungen und auch am Tag danach:

Entwicklung der Tweets zu S21 (erstellt mit twittercrawl.de)

Entwicklung der Tweets zu #s21 (erstellt mit twittercrawl.de)

Rund 14.000 Tweets enthielten den Hash „s21“ an diesen beiden Tagen. In den Wochen zuvor wurde im Schnitt einige Hundert Mal am Tag zum Thema getwittert. Hauptsächlich wurde hier auf Livestreams und Berichten zu den aktuellen Geschehnissen verlinkt. Zahlreiche Foren befassen sich in einzelnen Themensträngen mit Stuttgart 21. Die Argumentation ist häufig emotional geladen. Die Diskussionen bringen wenig Neues, sind teilweise ermüden.

Uwe: Noch stärker aufs Maul haun !!! des noch zu wenig !

Beatrix: wenn wir alle nur hörig dem staat hinterherlaufen können wir uns gleich nen neuen adolf züchten

Hannes: Warum trifft sich die Pro-Gewalt-Fraktion hier nicht einfach einmal die Woche, um sich ne Runde gegenseitig aufs Maul zu hauen, härter durchzugreifen und sich per Verstümmelung was beizubringen? Habt ihr den Arsch offen?

Matthiaz: Bei so viel Menschenverachtung, wie hier oben zu lesen, wird mir schlecht. Ihr Arschlöcher.

(Einzelne Beiträge aus einer Diskussion um ein Foto auf Facebook.)

Social Media als alternative Berichterstattung?

Es ist und bleibt ein Bahnhofumbau. Aber er bringt die Menschen in Massen auf die Straße und nicht Wirtschaftskrise, HartzIV oder Bildung. (Felix Neumann schrieb darüber bereits sehr lesenswert.) Sicherlich polarisiert Stuttgart 21, weil viele Menschen direkt betroffen sind, aber auch weil es zurzeit von den Massenmedien gepusht wird. Besonders im Fernsehen jedoch ist die Darstellung häufig effekthascherisch und teilweise sehr einseitig. Ging es in der Berichterstattung zunächst nur um die Tatsache, dass demonstriert wird, ist jetzt die Entrüstung über die Ausschreitungen riesig. Die Gegner haben hier die Überhand. Kann also im Internet eine objektivere Diskussion entstehen?

Schafft YouTube Objektivität?

Im Gegensatz zum Fernsehen, kommen in den Social Media Kanälen immerhin beide Parteien ausreichend zu Wort. U.a. auf YouTube und anderen Video Communitys. Rufen wir uns die Szenen von Donnerstag ins Gedächtnis, fällt auf, dass ein Großteil der Demonstranten mit Kameras unterwegs war. So tauchen auch im Internet zahllose Videos auf, die das Geschehen mitten in der Menge zeigen. Als Zuschauer auf YouTube müssen wir jedoch darauf vertrauen, dass Befürworter und Gegner keine ihnen unliebsamen Szenen rausschneiden. Nur wer etwaige Manipulation bedenkt, kann sich ein Bild davon machen, was im Stuttgarter Schlossgarten geschah. (Hier bspw. ein zweistündiger Mitschnitt auf ustream.tv.)

Social Media muss richtig genutzt werden

Die Situation im Diskurs zwischen den beiden Lagern ist verfahren. Jeder beharrt auf seinem Standpunkt und verteidigt diesen vehement. Dabei geht die Debatte häufig unter die Gürtellinie. Im Internet ist das keine Seltenheit. Bei einem so emotionalen Thema ist es noch ausgeprägter. Social Media kann aber die Grundlage für Objektivität schaffen. Gerade weil hier alle Meinungen vertreten sind. Anders als beim Journalismus der Massenmedien verlangt der Bürgerjournalismus in Social Media aber eine selbstständigere Auseinandersetzung mit dem Thema. Wühlt man sich durch die Unmengen an Kommentaren und Artikel, finden sich gute Gedanken zum Thema. Felix Neumann habe ich bereits erwähnt, außerdem haben Michael Seemann oder auch Nico Lumma lesenswerte Beiträge zum Thema geschrieben.

Über Sebastian Kahl

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