10 Schritte ins Social Web: Social Media Conference München

Auf der ersten Social Media Conference in München wurde getweetet und gepostet was das Zeug hält. Live-Streaming, Vorträge und Twitterwall – alles live, bunt und in Farbe. Der Tod von Krake Paul und der Zusammenbruch des hoteleigenen WLAN-Netzes überschatteten zwar den zweiten Konferenztag – aber die zum Teil sehr unterhaltsamen Beiträge machten das auf jeden Fall wieder Wett.

Social Media und Change

Als Vertreterin der Agenturbranche und Geschäftsführerin von consense communications war ich gestern zur Podiumsdiskussion über die Auswirkungen von Social Media auf die Unternehmensorganisation geladen. Gemeinsam mit Dr. Nadja Papert (virtual identity), Sean MacNiven (SAP), Christian Solmecke (Rechtsanwalt), Ergin Lyilikci (Scout24) und dem Moderator Prof. Dr. Klemens Skibicki (Deutsches Institut für Recht und Kommunikation im Internet) diskutierten wir über notwendige Strukturen und Prozesse im Unternehmen sowie Anforderungen an die Mitarbeiter. Fakt ist: Was zur Einführung von Social Media Kommunikation konkret notwendig ist, richtet sich ganz nach den individuellen Bedürfnissen jedes einzelnen Unternehmens. Das macht die Sache schwierig. Doch die Erfahrungen von erfolgreich im Social Web agierenden Unternehmen zeigen, dass es Schritt für Schritt möglich ist.

10 Schritte ins Social Web

  1. Am Anfang steht die Social Media Policy. Auch wenn ein Unternehmen noch nicht im Social Web vertreten ist, seine Mitarbeiter sind schon lange da – auf Facebook, Twitter, Xing oder in eigenen Blogs. Was dürfen sie sagen? Wie? Was nicht? Eine Social Media Policy regelt diese Themen verbindlich und sollte Bestandteil des Arbeitsvertrages sein – das schützt Mitarbeiter und Unternehmen gleichermaßen.
  2. Check der Social Media Fitness. Kommunikation im Social Web bedeutet, dass schnell, offen und ehrlich kommuniziert werden muss. Doch sind Vorstand, Geschäftsführung und das Management bereit dafür? Und wenn nicht: Welche Maßnahmen könnten helfen, einen Veränderungsprozess in Gang zu setzen?
  3. Social Media Monitoring hilft, Kundenbedürfnisse besser zu verstehen und zu entscheiden, an welcher Stelle das Unternehmen Social Media einsetzen kann, soll oder auch muss.
  4. Eine Social Media Strategie definiert Ziele und Zielgruppen: Was will ein Unternehmen mit der Kommunikation im Social Web erreichen? Kundenbindung, Abverkauf, Markenaufbau oder –pflege, um nur einige davon zu nennen.
  5. Aus der Social Media Strategie leiten sich die Social Media Kanäle ab. Ist ein Blog mit Twitter-Account ein guter Start? Braucht es überhaupt Facebook und Youtube? Oder reicht es für den Anfang, auf der eigenen Webseite Social Media Elemente einzubinden?
  6. Wer hat den Lead bei der Umsetzung der Social Media Aktivitäten? Ist es die PR-Abteilung, das Online-Marketing, Customer Care oder eine externe Agentur? Oder sollte ein Social Media Manager eingestellt werden?
  7. Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Abeilungen aus? Welche Teamstrukturen und Prozesse sind notwendig, damit größtmögliche Synergien entstehen und schnell reagiert werden kann?
  8. Identifikation von Evangelisten. Welche Mitarbeiter im Unternehmen sind aufgeschlossen für Social Media Kommunikation und können in den Prozess miteingebunden werden?
  9. Welche Ressourcen müssen eingeplant werden? Monitoring, Strategieentwicklung und Implementierung von Social Media Aktivitäten kosten Zeit. Haben die entsprechenden Mitarbeiter auch die Ressourcen dafür? Oder ist Budget da, um eine externe Agentur oder einen Berater zu verpflichten, die ersten Schritte zu begleiten.
  10. Mutig sein. Machen! Erfahrungen sammeln und Lernen.

Social Media und neue Geschäftsmodelle

Zum letzten Schritt Machen! war mein persönliches Highlight am zweiten Konferenztag die Präsentation von Matthias Kröner, Vorstand der Fidor Bank AG. Er bot Unterhaltung vom feinsten mit kabaresken Zügen und etlichen Seitenhieben auf die traditionelle Bankenbranche. Sein Geschäftsmodell „Banking mit Freunden“ mag auf den ersten Blick unseriös klingen – sprechen wir Deutschen doch ungern über Geld vor allem in der Öffentlichkeit. Doch bei der Fidor Bank gibt es Geld fürs Reden übers Geld. Das Geschäftsmodell basiert vollständig auf den Mechanismen des Web 2.0 und ist damit ein sehr gutes Beispiel, dass eine ausgeklügelte Social Media Strategie Innovationen hervorbringen kann. Bei der Fidor Bank tauschen sich Mitglieder der Community untereinander aus, geben Spartipps, bewerten Produkte oder Geldberater und können selbst Produkte vorschlagen. Für jede Aktion gibt es kleine Geldbeträge, die über ein Bonussystem ausbezahlt werden. Darüber hinaus diskutiert die Bank in der Community z.B. über Zinssenkungen und wieivel Kunden dabei als fair erachten.

Social Media: Quo vadis?

Berater anderer Banken müssen sich ab sofort warm anziehen – so könnte das Fazit von Kröners Vortrag lauten. Doch der ehemalige Vorstand der DAB Direktbank gab sich bescheiden. „Wir sind noch in der experimentellen Phase“. Ein guter Satz zum Schluss. Denn so ist das mit dem Web 2.0. Allen Teilnehmern der Konferenz ist klar, dass Social Media die Kommunikation und Interaktion mit Kunden, Journalisten oder anderen Interessensgruppen nachhaltig verändern wird. Wie nachhaltig das nachhaltig jedoch sein wird, wissen wir heute nicht.

Nachberichte zur Social Media Conference gibt es noch sehr wenige. Bisher gefunden habe ich einen persönlichen Erfahrungsbericht eines Teilnehmers auf Slideshare und zwei kleinere Artikel im Partnerblog von Jochen Schweizer und im IK Media Blog. Auch ein Blick auf Twitter lohnt sich #scm10.

Mehr zum Thema Social Media und Change von Claudia Thaler gibt es auf der Social Software Konferenz im November.

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