Social Media Nutzung im Urlaub, Teil 4: Twittern Sie noch oder baden Sie schon?

Was machen Social Media Experten auf Twitter, Facebook & Co., wenn sie im Urlaub sind? netz-reputation.de hat sie gefragt, ob sie von ihren Stranderlebnissen berichten oder ihr Smartphone auslassen.

Heute im Interview: Mike Schnoor, PR-Manager und Autor des Blogs Sichelputzer über Social Media, Microblogging Marketing und vieles mehr.

netz-reputation.de: Sind Sie im Urlaub auch im Netz oder nur am Strand?

„In welchem Widerspruch steht der Urlaub zu den Aktivitäten im Internet? Der deutsche Bürger ist durch traditionelle Wertevorstellung geprägt, in der Freizeit das Gegenteil von Arbeit ist. Das typische Image des Mitarbeiters, der den Kugelschreiber zur vollen Stunde auf den Schreibtisch fallen lässt, um nach Hause zu rennen und erst am nächsten Tag im Büro wieder Präsenz zu zeigen, findet keinen Gefallen in einer digital vernetzten Welt. Die eigene Online-Reputation fordert mittlerweile eine dauerhaftes Engagement und ein Neuverständnis von Arbeit. Im Grunde genommen bedeutet Online-Reputation als persönliche Professionalität wiederum die leidenschaftliche Arbeit zur Förderung seiner selbst.

Dabei entwickelt sich der gelebte Einklang von Privatleben und Berufsleben zu dem richtigen Ansatz, um die eigene Reputation im Netz zu fördern. Als Nutzer und als Menschen müssen wir alle authentisch auftreten. Glaubwürdigkeit steht an höchster Stelle – und hierzu zählt auch die glaubwürdige Präsenz im Internet.

Als aktiver Kommunikator versuche ich, das Internet wohl niemals ganz abzuschalten – selbst im Urlaub zählt Social Media für mich zu den wichtigen Aspekten unserer medialen Gesellschaft. Social Media eröffnet eine unerschöpfliche Informationsquelle in Echtzeit, die wesentlich schneller und effizienter zum Einsatz kommt als Tageszeitungen oder die abendliche Zusammenfassung in der Tagesschau. Dort erfahre ich meistens alles, was ich schon am Vortag eigenständig in Social Media aufgesogen habe.

In diesem Fall nutze ich Twitter zur Recherche und Informationsbeschaffung, aber auch zum Dialog mit anderen Fachleuten oder interessierten Followern. Im Prinzip ähnelt mein Nutzungsverhalten in Social Media somit einem Themenseismographen – über mobile Endgeräte auch am Strand. Während meines Urlaubs möchte ich auf diese Routine nicht gänzlich verzichten, aber ich bin selbstverständlich zu Einschränkungen bereit. Schließlich muss sich jegliches Engagement in Social Media immer einer Konstante beugen: Das harmonische Familienleben steht über allen Aktivitäten bei Twitter, Facebook oder dem Bloggen. Auch im Urlaub darf und sollte man für einige Tage abschalten können.“

netz-reputation.de: Sind Ihre Urlaub-Tweets privat oder ganz „business“?

„Gewiss steuere ich relevante thematische, durch den beruflichen Aspekt des PRlers geprägte Inhalte, aber auch gewiss belanglose Tweets privater Natur dem endlosen Stream bei. Ich trenne dabei keinesfalls scharf, sondern vertraue auf meine Online-Reputation und die Fähigkeit meiner Follower und Kontakte, zwischen privaten und beruflich geprägten Themen zu unterscheiden. Meine Follower sind mündig und bedürfen keiner Führung an der Hand.

Facebook selbst dient als Mittel zum Zweck, um zusätzliche Informationen meinen Kontakten bereitzustellen – dabei scheue ich nicht vor der Synchronisation mit Twitter. Wozu sollte man als Privatperson die Inhalte einzelner Tweets für Facebook neu verpacken?

Blog-Artikel hingegen erfordern wesentlich mehr Zeit und auch gegebenenfalls eine intensivere Recherche. Nur so lässt sich der professionelle Fachartikel oder themenspezifische Beitrag erstellen.

Das Verfassen von Artikeln nur um des Bloggens Willen steht für mich seit langem nicht mehr an erster Stelle. Vielmehr bedeuten aussagekräftige, konstruktiv kritische und nachhaltige Artikel einen Mehrwert für meine Leser und gleichzeitig intensivere Diskussionen in den Kommentaren.“

netz-reputation.de: Eine Statusmeldung aus dem Urlaub: Viele können nicht widerstehen. Aber auf was muss man achten?

„Generell empfehle ich jedem: Wer sich in Social Media hinsichtlich einer positiven Online-Reputation behaupten möchte, sollte auf keinen Fall von einem alkoholischen Exzess am Strand oder von überschwänglichen Partys berichten. Wer  äußerst private oder intime Details wie Partyfotos, gewisse Vorlieben oder Krankheiten preisgibt, kommt schnell in Erklärungsnot, sobald diese Themen nach Tagen, Wochen oder Jahren im Personalgespräch hochkochen. Solche Informationen wirken sich äußerst negativ auf das Gesamtbild der persönlichen Online-Reputation aus. Schließlich vergisst Google nichts und alle publizistischen Aktivitäten bei Twitter, Facebook oder im eigenen Blog sind über kurz oder lang auch frei verfügbar. Wer sich plötzlich gegenüber Mitarbeitern, Kollegen oder dem Chef, aber auch im Hinblick auf Personaler und Headhunter für bestimmte Äußerungen rechtfertigen muss, hat seine positive Online-Reputation schon längst beim Absenden des problematischen Tweets auf‘s Spiel gesetzt.

Wer die eigene Karriere im Internet stärken möchte, sollte mit den Aktivitäten im Netz ein positives Rauschen erzeugen. Berufliche Expertise und Fachwissen finden in einem Blog ihren Platz, Diskussionen zu Fachthemen dürfen auf diversen Portalen mit konstruktiven Kommentaren angeregt werden. Auch Statusmeldungen bei Facebook und die aktive Diskussion mit Followern über den eigenen Twitter-Account helfen, wertvolle Inhalte im Netz zu generieren. Eine gute Online-Reputation darf dabei auch mit wohldosierten Aspekten aus dem Privatleben bereichert werden.

Und wer im Urlaub auf alles nicht verzichten möchte, kann in der heutigen Zeit mit mobilen Endgeräten aus dem Urlaubsdomizil twittern oder bloggen. Man sollte sich daher auch im Urlaub treu bleiben und seine Follower ein wenig unterhalten – in diesem Fall reichen auch nur bestimmte Informationshäppchen, um die eigenen Fans bis zur Rückkehr in die Arbeitswelt bei Laune zu halten.“

Lesen Sie morgen an dieser Stelle das Interview mit Web 2.0 Pionier Michael Reuter.

Verraten Sie uns, ob Sie aus ihren Ferien twittern und welche Statusupdates Ihre Facebook Freunde von Ihnen lesen dürfen. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Autoren: Julia Prockl und Monika Rapp

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