Social Media Hype: Der Fall Blumenkübel
Wer gestern bei Twitter, Facebook oder auf diversen Blogs unterwegs war, wird sich zunächst gefragt haben, was es mit diesem mysteriösen Blumenkübel auf sich hat und ob man da eine weltbewegende Nachricht verpasst hat!? Tweets wie „Vermutlich müssen wir heute um 19.20 Uhr ein ZDFspezial für den #Blumenkübel einschieben
“ haben einen stutzig gemacht. Eine kurze Recherche ergab: Schuld am Blumenkübelhype ist ein Online-Artikel der Münsterschen Zeitung, der die Social Media innerhalb kürzester Zeit mit einem Wort überschwemmte – Blumenkübel.
Der Blumenkübel nimmt seinen Lauf
„Großer Blumenkübel zerstört“, ein Sommerloch-Artikel, von einer Redaktionspraktikantin der Münsterschen Zeitung verfasst, am Dienstag veröffentlicht und am Mittwoch Abend vom Redakteur Heimann getwittert. “In Neuenkirchen ist ein Blumenkübel umgekippt” twitterte er auf seine bekannte zynische Weise und brachte damit die Social-Media-Welle ins Rollen. Die Twitter-Community fand die Geschichte des zerstörten Blumenkübels vermutlich so amüsant, dass die meisten sich einen Spaß daraus machten das Blumenkübel-Drama mit ihren Sprüchen auf die Spitze zu treiben. Das Prinzip bestand darin, das Wort Blumenkübel mit einem bekannten Zitat, einer aktuellen Meldung oder einfach mit Nonsense zu verknüpfen: „Unsichere Quellen berichten: BP schließt das Ölleck mit einem #Blumenkübel“. Bereits nach ein paar Stunden gab es eine Blumenkübel-Gruppe auf Facebook mit 700 Fans. Die taz, wuv.de, kress, horizont.net und sogar die dpa sahen sich gezwungen die virale und hochfrequente Verbreitung des Blumenkübels aufzugreifen. Woraufhin das Netz binnen Minuten mit Blumenkübel-Reaktionen geflutet wurde
Blumenkübel-Marketing
Wuv.de berichtet sogar über das neu entstandene „Blumenkübel-Marketing“. Denn Otto und die Sparkasse ist es gelungen direkt auf den Zug aufzuspringen. Otto hat den #Blumenkübel für sein Pflanzenbehälter-Sortiment aufgegriffen. Die Sparkasse twitterte über „eine Hausratsversicherung, die auch Blumenkübel bezahlt“. Erschreckend und in seinen Bann ziehend zugleich – Spürt man doch mal wieder welche Macht Social Media haben!
How to Blumenkübel?
Für uns als Kommunikationsfachleute ist das Ganze natürlich doppelt interessant. Wie kann es sein, dass eine so banale Nachricht sich zu einem solchen Medienaufhänger entwickelt? War der Auslöser die Banalität des Artikels, der auf eine bestimmte Stimmung der Twitterer getroffen ist? Ist das alles nur ein Zufall oder können wir eine solche Situation auch künstlich herbeiführen? Und wie lange wird der Hype wohl dauern? Unser Blumenkübel-Erlebnis hat jedenfalls gezeigt: Es gibt den „Ich will dabei sein“-Effekt, der vermutlich zu einer so schnell aufkommenden Bewegung führt. Interessant ist ja auch, dass der entstandene Hype auf einer Meldung basiert, die eigentlich keine Meldung wert war und dass die Geschichte des Hypes wiederum von den Medien aufgegriffen wird. Der Hype wird durch die Thematisierung also auch weiter getragen.
Was wird aus dem Blumenkübel?
Eine Social-Media-Eintagsfliege oder Twitter-Dauer-Gag? Vereinzelte Blumenkübel-Nachzügler oder chronisch Infizierte scheinen jedenfalls auch heute noch kein Ende des Blumenkübels zu sehen und twittern mit viel Freude weitere Geschichten vom Blumenkübel. Fragt sich nur, wann es denen zu langweilig wird oder ein noch spannenderes Thema aufkommt. Auf jeden Fall führt uns dieser Hype oder auch Internet Meme genannt, einmal mehr vor Augen, wie bedeutend und gefährlich zugleich Social Media für die Kommunikation, auch von Unternehmen, sein können. Kontrolle gibt es über diesen Kommunikationsweg nur bedingt, weswegen ein gutes Online Reputation Management wichtig ist.
