Social Media macht’s möglich: Pay with a Tweet

Wer viele Follower auf Twitter hat, könnte aus seinen Social Media Aktivitäten schon bald einen materiellen Nutzen schlagen. Denn seit kurzem gibt es einen neuen Trend in Social Media: „forced viral“, was so viel heißt wie erzwungenes virales Marketing. Das Prinzip dahinter: Social Media Nutzer bekommen ausschließlich Zugriff auf einen Inhalt, wenn sie Bekannte oder Kollegen darauf hinweisen. Oder einfacher gesagt: Pay with a Tweet. Das Prinzip hat gute Chancen, sich durchzusetzen. Doch wie hoch ist der Preis, den Twitter und Facebook-Nutzer für die Geschenke zahlen? Schaden sie ihrer Online Reputation, wenn sie sich bei ihren Tweets von Geschenken leiten lassen?

Social Media nutzen und sparen

Auf Pay with a Tweet kann jeder Produkte gegen Tweets verkaufen

Auf Pay with a Tweet kann jeder Produkte gegen Tweets verkaufen

Erfinder des „forced viral“ sind zwei Deutsche Werber, die in New York leben: Christian Behrendt und Leif Abraham. Ein Portrait der beiden gibt es in der aktuellen Brand eins 08/2010 zu lesen. Bei der Frage, wie sie im Informationsüberfluss des Internets und Social Media auf neue Produkte aufmerksam machen können, kam ihnen die einfache und geniale Idee. Internet-Nutzer zahlen nur ungern mit Geld für Inhalte, die sie im Internet downloaden können. Deshalb haben Behrendt und Abraham nach einer Währung gesucht, mit der Social-Media Nutzer spendierfreudiger umgehen. Das Ergebnis: Empfehlungen auf Twitter. Den ersten Praxistest starteten sie mit ihrem gerade erst veröffentlichtem Buch „Oh my God what happened and what should I do“. Das konnten Interessierte nicht auf klassische Weise mit Geld erwerben, sondern nur mit einer Empfehlung in Social Media. Die dafür entwickelte Applikation nannten sie „Pay with a tweet“ und damit wurde ein neuer Trend in Social Media geboren.

„Pay with a Tweet“ – Neue Bezahlform in Social Media

Pay with a Tweet - Unser Selbstversuch

Pay with a Tweet - Unser Selbstversuch

Der Selbstversuch der beiden New Yorker war ein voller Erfolg: Schon drei Tage nach der Bekanntmachung des neuen Buches – natürlich über Twitter – haben sich 13.000 Marketing-Interessierte das Buch heruntergeladen. Wir wollten wissen, wie es funktioniert und haben das Ganze selbst ausprobiert. Auf der Seite www.ohmygodwhathappened.com haben wir also auf den Link „Pay with a tweet“ geklickt. Es öffnet sich automatisch unser Twitter-Account. Nachdem wir die Applikation zugelassen haben, erscheint der Tweet „This book helps you to move into the Digital era of awesomeness. Download it for free“ sowie der verkürzte Link zur Seite in unseren eigenen Statusmeldungen. Kaum ist der Tweet veröffentlicht, wurden wir auf die Seite zum kostenlosen Download weitergeleitet. Wir haben das Buch also mit der Empfehlung an unsere Follower bezahlt. Doch stellt sich uns plötzlich die Frage: Interessiert das überhaupt unsere Follower oder nerven wir mit diesem Tweet unser digitales Netzwerk?

Nach dem erfolgreichen Test mit dem Buch haben die Erfinder die Applikation umgeschrieben und jedem für den Verkauf seiner Produkte zur Verfügung gestellt. Auf www.paywithatweet.com kann sich jeder registrieren, der einen Inhalt mit der neuen Tweet-Währung verkaufen möchte. Bands beispielsweise bieten dort einzelne Lieder an und hoffen so, über iTunes ihr ganzes Album zu verkaufen. Doch bleibt die Frage: Wie hoch ist der Preis, den Twitterer für ihre bezahlten Tweets zahlen?

Schadet die Empfehlungsflut der eigenen Online Reputation?

Bislang können wir darauf vertrauen, dass Empfehlungen unserer Freunde und Bekannten im Social Media uns wirklich auf etwas hinweisen, was sie uns empfehlen möchten. Doch bereits der Name des neuen Trends „forced media“ oder erzwungenes virales Marketing lässt darauf schließen, dass der Social Media Nutzer erpressbar ist und für einen Gegenwert gerne mal einen Tweet oder eine Statusmeldung spendiert. Denn wenn es was umsonst gibt, ist der Andrang bekanntlich immer groß – nicht nur in der realen Welt, sondern auch in Social Media. Der einzelne Nutzer muss dabei jedoch auf seine eigene Online Reputation achten. Denn ständige Tweets zu Themen, die seine Follower-Gemeinde überhaupt nicht interessieren, schaden der Online Reputation. Der Preis für die Geschenke ist also hoch. Deshalb unser Rat an Alle: Sparsam mit solchen Angeboten umgehen und nur Dinge empfehlen, die man auch wirklich gut findet. Denn so wird es zu einem lohnenden Geschäft für alle Beteiligten.

13 Kommentare

Analena Gmelch23.07.2010 um 16:26 Uhr

Übrigens: Auch das Buch, das ich mir mit meiner Empfehlung gekauft habe, scheint gar nicht schlecht zu sein.

Adrian Wespi25.07.2010 um 18:17 Uhr

Die Idee ist clever. Und wir funktioniert das ganze auf Facebook?

Analena Gmelch26.07.2010 um 10:19 Uhr

Dafür muss wohl erst noch eine Application geschrieben werden. Bislang gibt es die nur für Twitter. Aber da die Statusmeldungen auf facebook ähnlich funktionieren wie auf Twitter, kann ich mir gut vorstellen, dass es die Anwendung schon bald auch für facebook geben wird.

Jean-Jacques Picard26.07.2010 um 17:12 Uhr

Katze im Sack
Wenn ich das Prinzip richtig verstehe, empfehle ich einen Inhalt weiter, bevor ich ihn kenne. Es ist also eine reine Lotterie, ob der Inhalt was taugt oder ob ich mir mit meiner Empfehlung meine Reputation beschädige. Darauf würde ich mich nicht einlassen.

Sonja Schwiebert26.07.2010 um 19:19 Uhr

Ein gewisses Risiko ist schon dabei. Aber ich kann die Autoren ja eindeutig identifizieren und so herausfinden, ob sie vertrauenswürdig sind. Ich finde die Idee kreativ!

Analena Gmelch26.07.2010 um 19:46 Uhr

Bei einem neuen Song meiner Lieblingsband beispielsweise würde ich das Risiko in Kauf nehmen. Bei anderen Inhalten wäre mir das auch zu riskant. Schon der Selbstversuch für den Artikel hat ein komisches Gefühl ausgelöst, das eigene Netzwerk mit nicht relevanten Themen zu nerven.

MC26.07.2010 um 22:37 Uhr

Auf facebook soll das ganze aber auch schon funzen, eben nur etwas anders: “Pay with a Tweet will only post this one message on your Facebook wall, not more. You can edit the text of the post, but not the URL. So whatever you will post, keep in mind that the URL to this download stays attached to it.” Wie es auf der HP so schön heißt. Naja, ich weiß ja nicht. Vielleicht führt das ja dann dazu, dass man genervt ungewollte facebook-freunde löscht, die ein voll-adden. Sollte dann unbedingt mit einer sacrifice-Kampange à la Whooper kombiniert werden.

[...] sehr aktiv. Zum Vorab-Marketing seines neuen Buches, nutzte er das neuartige Micropaymentsystem „pay with a tweet“. Wer sein Buch auf Twitter promotete, erhielt eine knapp 40-seitige [...]

[...] Dienst paywithatweet.com) haben sich in den letzten Monaten schon einige Blogger Gedanken gemacht. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die fehlende monetäre Vergütung für das Herunterladen eines [...]

Violett! – Magazin | LifeStyle, Stars & More - SoundClouds “Social-Download”: Musikdownload im Tausch gegen Status-Update06.10.2010 um 19:25 Uhr

[...] Dienst paywithatweet.com) haben sich in den letzten Monaten schon einige Blogger Gedanken gemacht. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die fehlende monetäre Vergütung für das Herunterladen eines [...]

Bernhard Günther26.12.2010 um 18:08 Uhr

Hab gesehen, dass es das auch mit Facebook gibt, payviral.com -> da kann man beim Bezahlen sogar fb/twitter wählen.

[...] die User von Pay with a tweet riskieren etwas: auf dem Spiel steht nämlich ihre eigene Online-Reputation, den diese Konzept lebt von viralem [...]

[...] [...]

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