Miss Media Wahl – Gefahr für die Reputation?

Cosmopolitan führt in Kooperation mit W&V erstmalig die Miss Media Wahl durch. Gesucht werden erfolgreiche Frauen, die im Bereich Media in einer Agentur oder einem werbungtreibenden Unternehmen arbeiten. Als der Aufruf zu Miss Media Wahl per W&V Sondermailing im Postfach landete, war mein erster Impuls, hier muss sich eine Mitarbeiterin aus unserer PR Agentur bewerben. Viele erfolgreiche und ehrgeizige Kommunikationsberaterinnen, die zu dem von zwei Frauen geführt werden – wir sind eindeutig die Zielgruppe. Dieser Impuls verpuffte umgehend, als ich die Kriterien erfuhr – Miss Media muss stark, smart und SEXY sein.

Ich frage mich, ist es für die eigene Reputation förderlich, im Jahr 2010 an einer Miss Media Wahl teilgenommen zu haben, bei der ein Qualifikationskriterium „sexy“ ist?

In einem Video wird zum Mitmachen aufgerufen: Cosmopolitan Chefredakteurin Petra Winter und Anzeigenleiterin Lisa Habermayer, sitzen in schicken Sommerkleidchen, Beine kokett übereinander geschlagen auf einem Sofa und erklären, wer bei der Miss Media Wahl gesucht wird. Weltoffenheit, Intelligenz, Professionalität, Kreativität, und Know-how? Fehlanzeige! Mantramäßig wiederholen sie in dem 59-Sekünder fünfmal die Kriterien stark, smart und sexy. Das Logo ist neben dem Video noch zusätzlich ein K.O.- Kriterium. Eine Frauensilhouette, die auch gut für die nächste „Germany’s next Topmodel“ Aufrufkampagne funktioniert hätte.

Zum Schutz der Online Reputation ein NEIN zur Miss Media Wahl

Wer sich nur etwas mit dem Thema Online Reputation Management befasst, muss eine Teilnahme kategorisch ablehnen. Will ich als Kommunikationsberaterin, um nur einen angesprochenen Beruf zu erwähnen, die Mitten im Berufsleben steht und somit von einem Orbit aus Kollegen, Kunden, Geschäftspartnern, Journalisten & Co. umgeben ist, dass ein Video oder Bewerbungstext im Web umherschwirrt, bei dem ich begründen muss, warum ich „sexy“ bin?

Ist solche eine Selbstpräsentation für meine Online Reputation oder auch meine Offline Reputation von Vorteil? Dass die W&V mit im Boot ist, irritiert mich sehr. Mich würde brennend interessieren, wie viele W&V Mitarbeiterinnen sich bei der Wahl zur Cosmopolitan Miss Media beworben haben. Vielleicht hielt sie aber auch das Wissen über die Bedeutung von „Spuren im Netz“ für die Online Reputation ab?

Seit der Aufrufphase sind einige Wochen vergangen und die Finalistinnen stehen fest. Beim Betrachten der Bewerbungen empfinde ich nur eins: hochgradiges Fremdschämen!

Miss Media  – sie kämpfen um den Titel

Silke Springensguth, Geschäftsführerin der DuMont Net, erläutert im Miss Media Bewerbungsvideo etwas gewollt locker, warum sie stark, smart und sexy ist. Sehr nett dabei ist, dass sie auch ihre Kollegen befragt hat und Antworten auf die Frage „smart“ sie so gerührt haben, dass sie ihren Jungs erst mal Fußball frei gegeben hat. (Is doch logisch: Fraun schaun kein Fußball). Sexy sei sie, „weil die Medienbranche wie Sex ist: Jeden Tag neu, jeden Tag anders, jeden Tag aufregend und doch gibt es Dinge, die haben sich seit tausend Jahren nicht geändert.“ Tanja Opfermann, Zenithmedia, posiert modelmäßig auf ihrem Bewerbungsfoto und erklärt zum Glück selbstironisch „Sexy bin ich für meine Kollegen glaub ich nur, wenn ich die Ansage, dass der Frühstückswagen da ist, mal zum Spaß mit französischem Dialekt durch die Sprechanlage hauche.“

Man erkennt schnell, intelligente Frauen umgehen die Kriterien geschickt, aber warum nehmen sie dann überhaupt teil? Es geht hier nicht um beruflich erfolgreiche Frauen, wie bei DLD Woman. Bei der Wahl zur Miss Media geht es rein um die Optik.

Der internetworld.de Mister Digital zu sein, schadet der Online Reputation nicht

Deutlich wird der katastrophale Ansatz, wenn man die Miss Media Parodie der internetworld.de betrachtet. Die Wahl des Mister Digital erfolgte über eine Social Media Kampagne, die man für sich als Bewerber ins Rollen bringen musste, um zu gewinnen. Auch wenn es sich hier um eine Parodie handelt, war echtes Wissen bzw. Know-how der Kern des Sieges. Heiko Eckert wurde Mister Digital. Sein Social Media Know-how beweist er mit viel Humor in diesem Interview:

Es geht also auch anders, Internetworld hat’s bewiesen, wenn auch nur für den Mann. Damit bleibt die Frage, zeigt die Miss Media Wahl das Bild der Geschäftsfrau im Jahr 2010?

Ich persönlich hoffe, es ist einfach nur ein peinlicher Fehltritt von Cosmopolitan und W&V mit einer schlecht durchdachten Kampagne. So oder so wird mal wieder klar, um seiner Online Reputation nicht zu schaden, muss jeder Schritt bis zum Ende durchdacht werden, sonst gibt’s ein böses Ende.

Update: Die Miss Media Wahl ist inzwischen abgeschlossen. Wir gratulieren Lisa Hug, Marketing- und PR-Chefin der Waxing-Studio-Kette Senzera. Sollte Frau Hug mal Fragen zum Thema Online Reputation Management haben, kann sie sich jederzeit vertrauensvoll an uns wenden. Wir helfen gerne dabei, Fehltritte im Netz wieder gerade zu bügeln.

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Autoren: Ingrid Breul, Julia Prockl

Über Ingrid Breul

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